Der polnische Dichter und Essayist Adam Zagajewski ist tot. Er starb am Sonntagabend im Alter von 75 Jahren in Krakau, wie die Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf seinen Verlag A5 berichtete. Bekannt wurde unter anderem sein Gedicht "Versuch's, die verstümmelte Welt zu besingen", welches die Zeitschrift "The New Yorker" nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 abdruckte.

   Sein Tod sei ein "großer Verlust für die polnische Literatur", schrieb Polens Präsident Andrzej Duda bei Twitter. Zagajewski erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Heinrich-Mann-Preis, den Eichendorff-Literaturpreis und den Orden "Pour le mérite" für Wissenschaften und Künste. Der Lyriker, der zeitweise als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt wurde, war seit 2015 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. In deutscher Übersetzung sind unter anderem die Gedichtbände "Asymmetrie" und "Unsichtbare Hand" sowie mehrere Essay-Sammlungen erschienen.

   Der Lyriker wurde 1945 im heute ukrainischen Lemberg geboren. Nach einem Studium der Psychologie und Philosophie schloss er sich der Dichterformation "Nowa fala" (Neue Welle) an, die mit althergebrachten Konventionen brechen wollte. 1975 unterzeichnete er den regimekritischen "Brief der 59", der sich gegen geplante Verfassungsänderungen richtete. 1982 emigrierte Zagajewski in den Westen und ließ sich in Paris nieder. Seit 2002 lebte er wieder in Polen. (apa/dpa)