Spannende Geschichte, wie der fesche Archäologe mit dem Hut und den smarten Sprüchen der begehrten Bundeslade nachjagt, oder? Kommt einem als Donaldist aber auch ein bisschen bekannt vor. "Jäger des verlorenen Schatzes", der erste Film der Indiana-Jones-Reihe, ist wohl einer der berühmtesten Belege für die Nachwirkung der Kunst von Carl Barks. Denn Indiana Jones, diese tolle These kann man mit Donald Duckscher Forschheit aufstellen, gäbe es gar nicht ohne die Abenteuer der Entenfamilie, wie sie ihr Übervater Carl Barks ersonnen hat. Matrosenmütze und Filzhut, einerlei! Das hat auch Indy-Schöpfer George Lucas zugegeben. Also nicht wörtlich, aber, in Donalds Worten: "Wer im Leben weiterkommen will, darf nicht pingelig sein."

Natürlich, hätte Carl Barks die Ducks auf diese Jagd geschickt, so gestaltete sich diese sicher anders. Da würde Dagobert Duck, der Erpel mit dem vollen Geldspeicher, auf eine Idee kommen, wie er noch mehr Fantastilliarden anhäufen könnte. Bundeslade, ja gut, aber schon mit Goldbarren drin. Das wäre dann meist mit einer Reise auf unbequemem, weil möglichst preiswertem Transportmittel verbunden. Als Reisekameraden würde er seinen Neffen Donald engagieren, der bei "engagieren" bitter auflachen würde, denn natürlich würde Donald diese Mühsal wie der Teufel das Weihwasser scheuen, aber der Onkel würde ins Treffen führen, dass Donald durch allerlei missglückte andere "Engagements" bei ihm bereits mehrere handgeschriebene Zettel voll Schulden angehäuft habe und daher jetzt aber dalli.

Abenteuerfilme in kleinen bunten Bildchen

Gereist wird im wahlweise halb seetüchtigen Schinakel, leidlich flottgemachtem Flugzeug oder löchrigen Lieferwagen, Zitat Dagobert: "Hoppla, jetzt haben wir die Hinterräder verloren! Aber Hauptsache, es geht weiter!" Es gibt Widersacher, die mit Reichtum (Mac Moneysac, Klaas Klever) oder Zauberkraft (Gundel Gaukeley, die Greta Garbo unter den Enten) ausgestattet sind und die es je nach Perspektive entweder auf Dagoberts Geld oder auf Donalds Geduld abgesehen haben. Letzterer nimmt seine Neffen Tick, Trick und Track mit, die wiederum den beiden Erwachsenen meist unter Zuhilfenahme des "schlauen Buchs" den Hals retten.

Man merkt hier schon, was George Lucas damit meinen könnte, wenn er sagt: "Diese Geschichten sind einem Kinofilm nicht unähnlich. Ich glaube, der Grund, warum die Comics von Carl Barks immer noch aktuell sind und in der ganzen Welt so begeistert aufgenommen werden, liegt hauptsächlich in der Qualität der Erzählung." Oder, wie Donald sagen würde: "Nicht so viel denken, lieber rennen."

Carl Barks im Jahr 1994. - © afp / picturedesk.com / Tor Richardsen
Carl Barks im Jahr 1994. - © afp / picturedesk.com / Tor Richardsen

Diesen Samstag würde Carl Barks den 120. Geburtstag feiern. Nicht nur in Entenhausen wird da sicher die eine oder andere Flasche Blubberlutsch geköpft. Denn ohne den "Good Artist", wie Barks schon früh von Comicfreunden aus dem Gros der Disneyzeichner herausidentifiziert wurde, wäre Donald heute noch ein quäkiger Enterich, dessen Intellekt schon von Streifenhörnchen herausgefordert wird. Mit dem so clownesken wie zornigen Trick-Donald hat der von Barks weiterentwickelte Erpel nur mehr wenig gemeinsam. Auch wenn der Zeichner diesem seinen ersten großen Karriereschritt verdankte: Eine turbulente Szene mit einem automatischen Friseurstuhl, den er für einen Donald-Trickfilm vorgeschlagen hatte, sagte Walt Disney so zu, dass Barks da landete, wo er hingehörte: bei der Geschichtenentwicklung. Die Arbeit in den Studios war für Barks allerdings - auch wegen seiner Schwerhörigkeit - kein Vergnügen. Er kündigte 1942, um sich selbständig zu machen. Die Legende, so kann man sagen, nahm ihren Lauf im Homeoffice. Und zwar - ausgerechnet auf einer Hühnerfarm.

6.215 Seiten, 190 Titelbilder und 396 Scripts sollte Barks über Jahrzehnte der Disney-Comic-Bibliothek beisteuern. Comics waren ihm übrigens nicht nur wegen der eigenständigen Arbeit lieber als Trickfilme, sondern auch, weil die formalen Regeln in der Filmproduktion strenger waren. Dort durften Enten nur gut aussehen - was bereits ausschloss, dass man einen Entenschnabel von unten sieht. Enten von ihrer Schokoladenseite zu zeigen, das war nicht die Mission von Carl Barks. Er wollte einfach gute Geschichten erzählen. Und die sind nun einmal besser, wenn Donald nach Barks eigenen Worten "manchmal ein eigennütziger Mistkerl" ist.

Da kreist die Matrosenkappe

Dass er seinen Enten viel Liebe entgegenbrachte, zeigt ein sogenanntes Model Sheet, das er für andere Zeichner als Vorlage angefertigt hat. Da erklärt er anhand von Skizzen, dass die Enten auf dem Papier anders als im Film wie Menschen laufen können und wie die Augen für unterschiedliche Gefühlswallungen variiert werden. Daneben grübelt ein Bleistift-Donald über einem ebensolchen Model Sheet mit Krixikraxi-Ebenbild, das er vielleicht deshalb nicht kapiert, weil er es verkehrt herum hält. Schön auch, dass Barks seine Kollegen anwies, mit extremen Emotionsausbrüchen - etwa mit Matrosenkappen-Himmelfahrt - hauszuhalten und sie nur "bei grässlichsten Kalamitäten" zu verwenden. Dabei sind es gerade diese Bilder, die Donalds Charakter besonders geprägt haben. Aber, nun ja, Kalamitäten gibt es ja genug: "Das bedeutet Unheil, und das Unheil schreitet schnell."

Als den "Hans Christian Andersen der Comicliteratur" hat Zunftkollege Will Eisner Carl Barks bezeichnet. Sein Talent, sowohl die zeichnerische Brillanz als auch die packende erzählerische Kraft zu vereinen, ist auch bei heutiger Lektüre verblüffend. Dabei hat sich Barks den Bildgeschichten zugewandt, weil er meinte, nicht gut schreiben zu können: "Ich hatte immer Probleme mit dem Konstruieren von Sätzen und ging daran, als ob ich einen Kahn bauen wollte." Die Sprechblasen kamen ihm da entgegen. Und - für deutschsprachige Leser - die Schützenhilfe einer Frau, die eine wahre Sprachkünstlerin war: die Übersetzerin Erika Fuchs. Ohne sie war Entenhausen ein Meilenstein, mit ihr wurde es zum Geniestreich.

Bis 1966 arbeitete Barks an seinem Entenkosmos. Wie anonym er - der Politik des Konzerns geschuldet - dabei immer noch trotz Fanbasis war, zeigt die Aussage von Fuchs: "Bei uns im Verlag war das alles Disney. Dass es einen Herrn Barks gibt, habe ich erst in den 70ern von Donaldisten erfahren." Die beiden trafen sich nur einmal, 1994. In Fuchsens Garten in München wurde gejausnet, aber kaum mehr: "Wir haben sehr wenig gesprochen. Ich hab das von sehr vielen Künstlern gehört, dass denen das meistens sehr unangenehm ist, wenn man über ihre Sachen spricht, über die man sich ja nur lobend äußern kann. Wollen sie gar nicht hören", hat die Übersetzerin erzählt.

Mit Zwicker und Zylinder

Von ihr stammen die deutschen Namen der Figuren, die auch heute noch jedes Kind kennt. Erfunden freilich hat sie Barks. Seine wichtigste Ergänzung zum Entenclan ist zweifellos der Milliardär mit Zwicker und Zylinder: Dagobert Duck oder wie er selbst ihn nannte Scrooge McDuck. Er ist Barks’ narrative Geheimwaffe: Seine Abenteuerlust, sein Hang zu Dollarzeichen in den Augen und natürlich sein unermessliches Vermögen machten die fantasievollsten Geschichten möglich. Er konnte ihn in die Wüste schicken, wo er sich den Bürzel an einer Spitze im Sand stößt, welche sich als versunkene Pyramide entpuppt, die wiederum erkleckliche Goldbestände verspricht. Die es dann aber nicht gibt, weil der entsprechende Pharao ja sein ganzes Gold in den Bau dieser Pyramide gesteckt hat. Das sind die Barks-Pointen, die jeden anderen Versuch von Gesellschaftskritik als höchstens bemüht in die Schranken weisen. Gerne als Großkapitalist abgetan, ist Dagobert übrigens genau das nicht: Denn sein Geld macht keine Anstalten, sich irgendwohin zu bewegen. Es ist rein zu seinem Pläsier und mitunter als Badezusatz vorhanden. Außer natürlich, die Panzerknacker, eine andere Barks-Schöpfung, funken dazwischen.

Gottfried Helnwein, bekennender Entenjünger, pflegt zu sagen: "Von Donald Duck habe ich mehr gelernt als in allen Schulen, in denen ich war." Den Comicgeschichten aus Entenhausen gelang es in der Tat, ihren (jungen) Lesern ein beachtliches Allgemeinwissen zu vermitteln. Und sei es nur, dass es nicht immer gut ausgeht, wenn man eine Flüssigkeit zu einer anderen schüttet - danke, Daniel Düsentrieb.

Nachdem Barks in Pension gegangen war, fertigte er etwa 120 Ölgemälde mit Entenszenen an. Zuletzt wurde eines um 220.000 Euro versteigert. Diese Huld ist Barks, der 2000 mit 99 Jahren gestorben ist, zu vergönnen, obwohl sie eigentlich gar nicht wirklich zu ihm passt. Die Verehrung, die ihm entgegenschlug, war diesem bescheidenen Mann zeitlebens ein bisschen unheimlich: "Immer, wenn ich über den großen Barks und das Zeug, das er schreibt, lese, dann denke ich, sie schreiben über jemand anders."