Wer etwas Großes schaffen will, der muss sich gut vorbereiten und - im übertragenen Sinn - früh aufstehen. Und wenn er einen hohen Berg erklimmen will, dann gilt das auch im wahrsten Sinn des Wortes. Und so schickt Opa seinen Enkel Jon früh ins Bett, weil es am nächsten Tag zum großen Berg geht. Eigentlich hatte Opa vor, den Gipfel alleine zu besteigen, aber dann ist Jon vorbeigekommen, und der Alte hat spontan beschlossen, den Jungen mitzunehmen.

Was beide dann aber unterwegs feststellen: Der eine ist zu alt und der andere zu klein, um es bis ganz hinauf zu schaffen. Auf halbem Weg drehen sie um, als Jon feststellt, dass er zu müde ist. Und Opa scheint das auch nicht wirklich zu stören. Und statt sich darüber zu ärgern oder vor Enttäuschung in Selbstmitleid zu baden, weil sie das große Ziel nicht erreicht haben, sind sie zufrieden damit, was sie geschafft haben. Und was sie unterwegs erlebt haben. Und der kleine Jon nimmt sich vor: "Wenn ich groß bin, werde ich nicht mehr auf halbem Weg müde." Sein Opa, mit dem er sich nach der Heimkehr Bilder von früher, als er jung war und den Berg bestieg, angeschaut hat, ist da schon eingeschlafen.

Es ist eine schöne Botschaft, die Autor Daniel Fehr und Zeichnerin Lotte Bräuning in "früh los" ihren kleinen Lesern mit auf den Weg geben, eingefasst in liebevolle Bilder und eine stille, sanfte Sprache. Und es ist ja nicht so, dass Jon und sein Opa nichts erreicht hätten an diesem Wandertag: Sie hatten ein schönes gemeinsames Erlebnis. Wer zwischen den Zeilen liest, bekommt allerdings auch ein Lehrstück über das Altwerden serviert.

Daniel Fehr und Lotte Bräuning: früh los
Thienemann; 32 Seiten; ab 4 Jahren; 14,40 Euro