Eine Empfehlung, um die letzte so zähe Zeit der Corona-bedingten Beschränkungen erträglich zu machen. Auch wenn die wenigsten von uns zu einer Weltumseglung aufbrechen werden, ist diese Lektüre eine tolle Ablenkung von der momentanen Tristesse und auf jeden Fall inspirierend und bereichernd. Neben den gut geschriebenen Tagebucheinträgen, die den Leser mit auf die Reise nehmen, sind auch die Fotos wirklich gelungen!


Aber nun zum Inhalt: ein junger Bretone, Guirec Soudée, bricht die Schule ab, um hart für seinen Traum zu arbeiten, die Welt in einem Segelboot zu umrunden. Im Alter von 23 Jahren ist es dann so weit, er sticht in See. Die Idee, ein Huhn mitzunehmen, hat er bereits zu Beginn, aber Bekannte raten ihm davon ab, da das Huhn bei Stress keine Eier legen würde.


Bei einem der Landgänge finden Huhn und Segler dann doch zueinander und trotz häufiger Stresssituationen versorgt Monique ihren Kapitän regelmäßig mit Eiern.


Die Route führt von Frankreich, nach Portugal, Südamerika und Grönland, dem Winterquartier, weiter durch die Nord-West-Passage nach Alaska, Kanada und Nordamerika. Von dort geht es zum Kap Hoorn, nach Südafrika, wieder nach Südamerika und zurück nach Frankreich, auf die Ile d’Yvinec, woher Guirec stammt. Seine Heimatinsel war namensgebend für das Segelboot.


Die pure Abenteuerlust, aber auch Besonnenheit und das Bewahren der Nerven in brenzligen Situationen dieses jungen Menschen machen die Lektüre so ansprechend. Liebe zur See wird in jedem Satz transportiert. Guirec arbeitet immer wieder schwer, um die Reise weiter finanzieren zu können. Da nicht zuletzt Monique in den sozialen Medien, aber auch vor Ort bei den Landgängen, sehr gut ankommt, erhält der junge Bretone bald breitere Unterstützung.


Sein Staunen über Polarlichter, fluoreszierendes Plankton und den ersten Eisberg sind genauso rührend wie das Wachehalten mit nur 30-minütigen Schlafpausen beeindruckt, das Giurec mit dem Hinweis, ohnehin kein großer Schläfer zu sein, abtut.


Guirecs Bemühen, nur das Notwendigste von der Natur zu nehmen, die Freude, dass Monique auch Lachs frisst und überhaupt so problemlos ist und sein umsichtiger Umgang mit Tieren, sind besonders einnehmend. Der selbstgestrickten Pullover für das Huhn als die beiden die warmen Gefilde Richtung Arktis verlassen ist nur ein nettes Beispiel dafür.


Planung, Reparaturen am Boot und vor allem das Durchqueren der eisigen Regionen unter widrigen Bedingungen ringen immer wieder Respekt ab. Manchmal hat Guirec auch einfach nur Glück. Sein Boot nicht mehr an einem Eisberg festzumachen, da dieser prompt seine Unterseite nach oben kehrte, war wohl eine Lektion fürs Leben. Und dass ihn die Bauchfellentzündung in bewohntem Gebiet und nicht in der selbstgewählten Einsamkeit seines Winterlagers ereilte, hat das jähe Ende des Abenteuers verhindert.


Die Auswirkungen des sorglosen Umgangs der Menschheit mit der Natur erlebt Guirec hautnah. Das verzögerte Zufrieren des Packeises stellt eine große Bedrohung für sein Boot dar. Dass es Versuche mit Ackerbau in Inuitgebieten gibt, weil der Boden immer länger aufgetaut bleibt und nicht mehr tief genug friert, nimmt er mit Beunruhigung zur Kenntnis. Die sichtbaren Folgen von Plastikmüll und abgeschnittenen Schleppnetzen für die Meeresbewohner erschüttern ihn.


Segelfachausdrücke häufen sich erst auf den letzten Seiten der Erzählung. Antarktische Gewässer verlangen wohl besonderes Können des Kapitäns. Das Ende des Buches erfolgt etwas abrupt aber mit der Versicherung, dass das nächste Abenteuer folgen wird.