Welche Ihrer Figuren ist Ihnen in den vergangenen 30 Jahren am meisten ans Herz gewachsen?

Ganz klar Tom Turbo. Der hat ein Eigenleben auch für mich selbst entwickelt hat. In dem steckt auch immer wieder viel von mir selbst. Er ist ein bisschen der zweite Lebenspartner für mich geworden.

Wie erklären Sie sich den Erfolg, der nach 28 Jahren immer noch anhält? Müsste sich das nicht auch irgendwann totlaufen?

Nein, das läuft sich nicht tot, aus dem einfachen Grund, dass es eine Fantasie ist, die jedes Kind hat. Das Fahrrad ist die erste große Freiheit, und jetzt ein Fahrrad zu haben, das auch noch sprechen kann und all diese Tricks drauf hat, das war schon der Traum meiner Kindheit. Aus diesem Grund habe ich diese Figur des Tom Turbo erfunden, weil ich einen ungewöhnlichen Detektiv gesucht habe. Und dann kommt noch etwas dazu: Es wurde an realen Schauplätzen in Österreich gedreht, die viele Kinder natürlich auch wiedererkennen, und gleichzeitig ist das auch eine Gaunerwelt, bei der man meint, wenn ich um die nächste Ecke gehe, könnte ich in so ein Abenteuer stolpern. Das sind alles Wünsche, die Kinder haben, deswegen lebt es so. Und dann ist es jetzt fast schon die dritte Generation, die mit Tom Turbo aufwächst, und das wird auch sehr stark weitergegeben. Diese Begeisterung des gemeinsamen Schauens ist dadurch noch größer geworden.

Welcher seiner Figuren fühlt sich der Autor am meisten verbunden? Es kann nur einen geben: Tom Turbo (hier im Zoo Schönbrunn). - © commons.wikimedia.org / Elisabeth64
Welcher seiner Figuren fühlt sich der Autor am meisten verbunden? Es kann nur einen geben: Tom Turbo (hier im Zoo Schönbrunn). - © commons.wikimedia.org / Elisabeth64

Der ORF produziert aber keine neuen Folgen mehr.

Aber ich schreibe laufend neue Bücher: Da gibt es die Originalserie, da gibt es eine Serie mit großen Büchern und jetzt mache ich eine für Zweitklässler, mit einem ganz speziellen Prinzip, damit die Kinder schneller und leichter lesen können.

Wie kommt es eigentlich, dass Tom Turbo im Zoo Schönbrunn genau bei den Schildkröten steht?

Weil genau daneben seine Garage ist. Das Set, wo wie zweihundert Folgen oder mehr gedreht haben, steht immer noch dort, und aus diesem Grund hat der Tiergarten damals nach einem Tom Turbo gefragt, der dann dort aufgestellt wurde.

Sie haben seinerzeit beim Habakuk-Kasperl den Tintifax gespielt. Haben Sie ein Herz für Bösewichte?

Nein, überhaupt nicht. Das war einfach damals die Zeit, ich habe ja als Puppenspieler begonnen. Der Tintifax war halt eine der wichtigsten Figuren in dieser Kasperlwelt.

Bevor Thomas Brezina als Kinderbuchautor weltberühmt wurde, spielte er von 1977 bis 1984 beim Zirkus Habakuk den Tintifax. - © https://theater.arlequin.at/clown-habakuks-puppenzirkus/
Bevor Thomas Brezina als Kinderbuchautor weltberühmt wurde, spielte er von 1977 bis 1984 beim Zirkus Habakuk den Tintifax. - © https://theater.arlequin.at/clown-habakuks-puppenzirkus/

Er war ja eigentlich der Coolste.

Richtig! Aber auch ein bissl ein Donald-Duck-Typ, weil er eigentlich der ewige Loser war, aber trotzdem in seiner Art sehr schrullig.

Sie schreiben jetzt auch Bücher für Erwachsene. Wird es mit zunehmendem Alter schwieriger, Kinderbücher zu schreiben?

Nein, weil es Grundgeschichten und Grundwerte gibt, über die ich gerne erzähle, und da habe ich nach wie vor das Gefühl, dass ich Kinder wunderbar damit erreiche. Die Herausforderung war für mich immer, ihnen sehr genau zuzuhören, um auf diese Weise ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ich die Welt durch ihre Augen sehen kann. Und das mache ich weiterhin, das hört nie auf.

Waren die "Knickerbocker4immer" auch ein Ausbrechen aus der Kinderbuchautor-Schublade?

Mir ist schon zehn Jahre davor gesagt worden, ich sollte doch jetzt endlich was für Erwachsene schreiben. Ich habe jahrelang darunter gelitten, dass ich immer nur als Kinderbuchautor gesehen und auch nicht ernst genommen wurde.

Gab es da Zweifler, ob sie es schaffen?

Natürlich, jede Menge – inklusive mir selbst. Aber das Schöne daran ist ja, dass die ganze Geschichte auf mich zugekommen ist. Das Interessante war: Ich habe damals Pablo in Buenos Aires besucht, und wir haben verschiedenste neue Projekte besprochen, die wir machen könnten. Und dann bin ich zurückgekommen, und wir haben hier daheim Tee getrunken, und ich habe gesagt: "Jetzt muss ich mich für etwas entscheiden. Ich schreibe jetzt die Knickerbocker für Erwachsene. Ich weiß nicht, warum." Und dann habe ich mich hingesetzt, eine Grundidee entwickelt und zu schreiben begonnen – und nach zwei Kapiteln ist mir der Mut ausgegangen. Da habe ich die Kamera vor mich hingestellt und auf Facebook gepostet: "Ich bin gerade dabei, Knickerbocker für Erwachsene zu schreiben. Will das irgendjemand lesen?"

Das ist, als ob Sie fragen: Ist der Papst katholisch?

Innerhalb einer Stunde hatte ich auf Facebook 700 Kommentare. Ich hatte so etwas noch nie erlebt. Und da habe ich gewusst: Ich mache es. Ich habe dabei Menschen, die früher die Knickerbockerbande-Bücher gelesen hatten, intensiv in den Entstehungsprozess eingebunden, auch über die Sozialen Medien. Ich habe sie auch immer wieder gefragt, was wohl aus den vier geworden ist. Das hat sensationell funktioniert.

Das heißt, es liegt auch an den Fans selbst, dass Axel und Lilo endlich zusammenkommen, Poppi einen Tierarzt geheiratet hat und Dominik Schauspieler und schwul ist?

Bei Dominik war mir von Anfang an klar, dass der völlig im Unreinen mit sich ist und selbst nicht genau weiß, warum. Und er ist so gebeutelt, es allen zu zeigen, vor allem seinen eigenen Eltern, und in den USA diese Karriere zu machen und verschiedene Fassaden aufrecht zu erhalten.

Kann man aus dieser Figur etwas über Sie selbst herauslesen?

Die Figur ist komplett fiktional, mein eigenes Leben ist anders verlaufen.

Wann ist die Auflösung des ersten Bandes entstanden, dass die Knickerbockerbande in Wahrheit Teil eines Experiments ist? Hatten Sie so etwa schon in den 1990ern im Kopf?

Der Ausgangspunkt war ein Brief eines Kindes den ich vor Jahren bekommen habe und mein Lebtag nicht vergessen werde: "Thomas, weißt du eigentlich, dass die Knickerbocker mittlerweile 56 Wochen Ferien im Jahr haben?" Und jemand anderer hat geschrieben: "Warum können die so viel erleben und wir nicht?" Da habe ich mir gedacht: Ja, warum haben die das erlebt? Kann man das in irgendeiner Form erklären und erzählen? Und so ist es gekommen.

Wie geht es mit den erwachsenen Knickerbockern weiter nach Band drei?

Die machen jetzt Pause. Es war als Trilogie angelegt, jetzt lasse ich es einmal so, wie es ist.

Werden da nicht viele Fans enttäuscht sein?

Warten wir ab, wie es in zwei Jahren ist. Jetzt einmal widme ich mich anderen Sachen. Für Erwachsene arbeite ich weiter an Büchern zum Thema Lebensfreude. Da habe ich ganz viele Ideen, und heuer werden zwei weitere erscheinen. Ich schreibe auch an einem neuen Roman für Erwachsene. Und bei den Kinderbüchern möchte ich mehr zum Thema leicht und schnell lesen machen. Da habe ich verschiedenste Ideen, zum Beispiel ein Tom-Turbo-Buch mit Stickern, wo man immer wieder das richtige Wort einkleben muss. Und es wird auch neue Kinderbuchromane geben. Da kommt jetzt bald sehr, sehr viel. Etliches ist schon fertig, das kommt dann Stück für Stück raus. Ich habe ja auch die neue Serie unter dem Motto Abenteuer in Österreich über berühmte Orte oder Personen begonnen, verpackt in Abenteuer. Da läuft das erste Buch, "Der Zauberlipizzaner", sensationell, das hat alle Erwartungen weit übertroffen. Das ist ein Stil, den ich fortsetzen möchte.