Die Kunstform der Kolumne mag vielfach unterschätzt sein - aber funktioniert ein 300 Seiten umfassendes Buch, das ausschließlich aus dieser literarischen Gattung besteht, ergänzt durch autobiographische Skizzen und einige Kurzgeschichten? Es funktioniert! Jedenfalls, wenn die Autorin Teresa Präauer heißt, die eine Meisterin dieser bescheidenen, aber - wenn die Übung gelingt - gleichsam welthaltigen Form ist.

82 konsequent subjektive Kurztexte sowie Kurzgeschichten hat die vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin, Performerin, "Antirealistin" und bildende Künstlerin in diesem Buch zu einem Panoptikum unterschiedlichster Motive und Betrachtungsweisen zusammengefügt. Sie spannt einen weiten Bogen von ihrer Kindheit in Salzburg bis zu Kunstaufenthalten in Amerika und lässt sich fast wie nebenbei von vielfältigen Eindrücken inspirieren.

- © Wallstein Verlag
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Die Themenpalette ist breit gefächert: Musik, Mode, Kunst, Glitzer ("Dem Glitzer haftet die Erinnerung an ein bereits zu Ende gegangenes Fest an"), Kitsch, Nagelstudios ("Es riecht ziemlich toxisch hier bei Fashion Nails in der West Street, Ecke 6th Avenue"), Literatur, Papier ("Dem Papier hat meine erste Liebe gegolten und sie wird meine letzte sein"), Außerirdische, Essen ("Was mir in Amerika, neben der Sprache, am meisten gefehlt hat? Das Schwarzbrot, tatsächlich"). Popkultur, Eichhörnchen, Wintersport und vieles mehr stehen im Mittelpunkt ihrer originellen, philosophischen, aber nie zu übertriebener Bedeutsamkeit aufgeplusterten Schilderungen von Alltagsbeobachtungen, die stets das Außergewöhnliche in sich tragen.

Der Fantasie kommt dabei eine tragende Rolle zu, wobei die Versuchsanordnungen in Präauers poetischem Raumschiff (eine Geschichte heißt "Raumschiff Poetry") zumindest im Grenzbereich des Möglichen bleiben: Kann schon sein, dass die Autorin einst das Vergnügen hatte, in den Salzburger Bergen Phil Collins das Snowboarden beizubringen. Kann schon sein, dass Britney Spears glitzernd wie ein Weihnachtsengel in einem winterlichen Garten steht und einen Culture Clash verursacht.

Gemäß dem Buchtitel gehört zu Präauers literarischen Forschungsgebieten auch das Glück, das aus einer kleinen Bohne keimen kann - falls es eine Glücksbohne ist und vorausgesetzt, dass man wie die Autorin genügend poetische Kraft besitzt, sich davon bezaubern zu lassen und einfach einmal zu schauen, was passiert, wenn man Bohnen beziehungsweise bohnenförmige Steine als Währung einsetzt.

Eine literarische Reflexion über die Pandemie ist ebenfalls im Band enthalten: In "Notausgänge" zieht Teresa Präauer zur Krisenbewältigung unter anderem Walter Benjamin zu Rate. "Ich lese Walter Benjamin gerne und immer wieder, vor allem seine kurzen Prosatexte. Die Erinnerungen an seine Berliner Kindheit um neunzehnhundert beispielsweise ergeben ein zuversichtliches feines Büchlein."

Ein zuversichtliches feines Büchlein, das man immer wieder gerne lesen wird, ist auch Teresa Präauers Kurzgeschichtensammlung geworden.