Wenn man schon daheim im Lockdown hockt und nicht einmal ohne schlechtes Gewissen in ein anderes Bundesland fahren kann, dann gibt es zumindest die Möglichkeit, literarisch in die Ferne zu schweifen. Zum Beispiel auf die kleine, aber feine Insel Capri, die der Autor Luca Venturas ins Herz geschlossen hat.

Capri ist nicht Neapel, auch wenn es davor liegt. Das betont man auf der beschaulichen Insel – auf der es plötzlich so gar nicht beschaulich zugeht, als eine junge Frau mit einer Ape in den Tod stürzt. Für Agente Enrico Rizzi ist klar: Das war kein Unfall. Die Ermittlung führt ihn in die Limoncello-Produktion, was der Autor dazu nutzt, seinen Lesern diesen Wirtschaftszweig samt Schattenseiten näherzubringen.

Und natürlich gibt es auch wieder die bereits in Venturas erstem Capri-Krimi "Mitten im August" zelebrierten Reibereien zwischen Rizzi und seiner vom Festland nach Capri exilierten Kollegin Antonia Cirillo, die nicht nur einmal unzufrieden mit seiner Art zu ermitteln ist. in "Bittersüße Zitronen" erfahren wir auch ein Stück mehr über das Privatleben der beiden Polizisten beziehungsweise über Rizzis Lebensgefährtin und Cirillos Verhältnis zu ihrem Sohn. Und auch das Verhältnis zwischen Italiens drittgrößter Stadt und der ihr vorgelagerten Insel ist ein Thema. Mindestens genauso wichtig wie der Kriminalfall ist dem Autor jedenfalls, über Land und Leute zu schreiben.

Luca Ventura: Bittersüße Zitronen
Diogenes; 313 Seiten; 16,50 Euro