Der Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (1736 bis 1783) schuf unter anderem 52 "Charakterköpfe". Deren Provenienz ist zumindest in einigen Fällen teils fragwürdig. Hier setzt Autorin Eva Holzmair an und pickt sich eines der Selbstporträts, den "Verdrüsslichen", für ihren gleichnamigen Krimi heraus. Dieser wurde nämlich tatsächlich 2008 unter fragwürdigen Umständen ans Getty Museum in Los Angeles verkauft, was im Roman nun die fiktive pensionierte Denkmalamtsmitarbeiterin Carola Broggiato auf den Plan ruft.

Carola fällt nämlich aus allen Wolken, als sie erfährt, dass die Büste, die auch mit ihrer eigenen Vergangenheit zusammenhängt, von ihrem privaten Besitzer in die USA verscherbelt wurde. Und um sich einerseits von ihrer Krebserkrankung abzulenken und andererseits ihrem Gerechtigkeitssinn Genüge zu tun, setzt sie sich auf die Spur des "Verdrüsslichen" und entwickelt sogar eine gewisse kriminelle Energie dabei.

Eva Holzmair erzählt ihren Roman in drei Handlungsebenen, wobei ein Erzählstrang auch der Figur selbst gehört, die nun im Getty Museum ihr Dasein fristet und sich mit den anderen Ausstellungsstücken unterhält. Das ist für Kunstinteressierte inhaltlich sehr aufschlussreich, mit einem Umfang von 507 Seiten allerdings auch recht langatmig. Man hat also die Wahl, ob man sich die volle Dosis Kunstgeschichte gibt oder die jeweiligen Passagen überspringt und nur der aktuellen, nicht unspannenden Handlung folgt. Letzteres freilich ist wohl nicht im Sinne der Autorin, die bei der Recherche für ihr Buch sichtlich tief in die Welt des Franz Xaver Messerschmidt eingetaucht ist. 

Eva Holzmair: Der Verdrüssliche
Gmeiner; 507 Seiten; 18,50 Euro