Alfred Eder begräbt seine Mutter – und landet prompt auf dem Friedhof in der falschen Trauergesellschaft. Auch sonst ist der alleinstehende junge Mann, den die verstorbene Mutter in die Arme einer Freundin getrieben hat, die für ein gewisses Liebesleben sorgen möge, nicht unbedingt vom Glück verfolgt bei der Gestaltung seines Lebens. Und dann stolpert er zu allem Unglück plötzlich auch noch in eine Mordserie mitten im beschaulichen Baden und gerät ins Visier der Polizei. Denn ausgerechnet eine weitere Frau, mit der er intimen Kontakt hatte, wird tot aufgefunden. Und nicht nur sie.

Werner Stanzl, bisher mit seinem Commissario Vossi literarisch im italienisch-slowenischen Grenzgebiet aktiv, siedelt nun in seinem neuen Krimi "Das Phantom von Baden" Mord und Totschlag vor den Toren Wiens an. Er hat dabei prägnante Figuren entwickelt, die zum Teil fast schon ins Absurde abdriften und dabei auch ein gewisses Eigenleben entwickeln. Da ist eine Ermittlerin, die gerne tougher wäre, als sie ist; ein mordverdächtiges Muttersöhnchen, das einem fast leid tut; und das Ganze von einem Krimiautor mit feiner Ironie erzählt. Stanzl legt eine große Liebe zu seinen Charakteren an den Tag und lässt ihnen freien Lauf: Alfreds mütterlicher Freundin, die den Buben (der er in ihren Augen ist) eigentlich nicht wirklich ernst nimmt - und schon gar nicht seine Bedürfnisse; die Kontrollinspektorin Ilse Strasser, die mit ihrem Vorgesetzten zu kämpfen hat und in ihrer Ermittlung hin- und hergerissen ist zwischen dem Tatverdacht gegen Alfred und dem Wunsch, dem harmlos wirkenden Versicherungsmenschen vertrauen zu können; und natürlich Alfred selbst, der sich keinerlei Schuld bewusst ist und im Gegenteil sogar an der Aufklärung mitwirken und wertvolle Hinweise an die Frau bringen möchte (und ja, er ist schon auch ein bisschen verliebt in die Polizistin Ilse); und der tatsächlich über sich hinauswächst. Vor allem diese persönliche Entwicklung sorgt - neben der Mordaufklärung - für das größte Spannungs- und Unterhaltungsmoment. 

Werner Stanzl: Das Phantom von Baden
Haymon; 283 Seiten; 
14,95 Euro