Kreise, die in sich wiederum aus Kreisen bestehen und sich kaskadenartig über die Leinwand ergießen – manche sehen aus wie die Sonne, manche wie Tortenspitze, manche wie ein Tattoo aus Punkten –, dazwischen florale Elemente, Girlanden, Symbole wie das Peace-Zeichen oder ein Herz, ein abstraktes Ganzes mit realistischen Details, und alles ist unglaublich bunt. Kräftige, leuchtende Farben, die durch sorgfältig eingesetztes Schwarz an Strahlkraft gewinnen, ziehen sich durch das Werk der brasilianischen Künstlerin Beatriz Milhazes. Titel wie "Nachtclub", "Santa Clara" oder "Kleine Fenster" scheinen auf den ersten Blick keinen Sinn zu ergeben, doch bei genauerer Betrachtung der großformatigen Bilder (am besten aus größerem Abstand) offenbart sich das Thema.

Die 1960 in Rio de Janeiro geborene Milhazes hat schon früh zu ihrem Stil gefunden, Acrylfarben und Leinwand sind ihre bevorzugten Ausdrucksmittel. Ende der 1980er Jahre entwickelte sie eine besondere Technik, bei der sie ihre Motive auf Plastikfolien malt, diese auf die Leinwand klebt und nach dem Trocknen die Folie abzieht. Diese Methode ermöglicht ihr, Oberflächen übereinanderzuschichten und ein Changieren zwischen Emotionen zu erzielen. Seit ihrem Durchbruch Anfang der neunziger Jahre hat Milhazes auch andere Medien für sich entdeckt, sie produziert Siebdrucke, Collagen aus Schokoladen- und Bonbonpapieren, Skulpturen, die aussehen wie Mobiles aus Karnevalsschmuck, Buntglasfenster für Gebäude sowie Bühnenbilder und Kostüme für das Ballettensemble ihrer Schwester Marcia.

Die aktualisierte Ausgabe des Taschen-Verlages erkundet mit über 280 Werkabbildungen sämtliche Schaffensphasen der Künstlerin von ihren Anfängen bis 2020. Das Buch entstand in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin, enthält ein Gespräch mit dem Herausgeber Hans Werner Holzwarth, in dem Milhazes ihre Arbeitsweisen erklärt und über Ideen und kulturelle Hintergründe spricht. Eine kunsthistorische Abhandlung von David Ebony, ein Wörterbuch von Milhazes’ Schlüsselmotiven, zusammengestellt von Adriano Pedrosa, und eine aktualisierte Künstlerbiografie von Luiza Interlenghi runden dieses Werk ab, das auch als limitierte, von der Künstlerin siginierte Art Edition erhältlich ist.