Nahrungsmittel, Opfergabe, Luxusgut, Streitpunkt – Fleisch ist das alles und noch mehr. Warum es so polarisiert, versucht der Historiker Ilja Steffelbauer herauszufinden, indem er sich auf Spurensuche durch die Geschichte der Menschheit begibt.

Dürfen wir weiterhin in einen saftigen Burger beißen? - © Andrei Castanha
Dürfen wir weiterhin in einen saftigen Burger beißen? - © Andrei Castanha

Schon die Vorfahren des Homo sapiens haben Fleisch konsumiert, zuerst Aas, später selbst gejagte Tiere. Warum sie überhaupt damit angefangen haben, wissen wir nicht, aber das Essen von Fleisch hat laut Wissenschaft jedenfalls einen wichtigen Beitrag zum Prosperieren unserer Spezies geleistet. Aus Sammlern und Jägern wurden Ackerbauern und Hirtennomaden, aus kluger Kombination von Ackerbau und Viehzucht wurden eine hochindustrialisierte, entpersonalisierte Landwirtschaft mit Monokulturen und Massentierhaltung – mit all den negativen Auswirkungen, die uns heute ständig begegnen. Fleisch per se ist dabei immer eines geblieben: ein Zeichen der Macht, des Glaubens, der Gebote und des Tabus.

Über Jahrtausende war es ein Statussymbol der weltlichen und geistlichen Elite, heute ist Fleisch auch bei der Masse angekommen und soll ihr bereits wieder entzogen werden: Mit den Argumenten von Klimawandel, der Ausbeutung des Bodens und schwindenden Raums soll dem Fleischkonsum Einhalt geboten werden. Steffelbauer sieht dahinter unter anderem eine neokolonialistische Haltung und meint, dass die Frage, ob wir ein Schnitzel oder einen Burger essen dürfen oder nicht, nicht die richtige ist. Welche Frage sollten wir uns stattdessen stellen?

Das Buch ist trotz aller Kompaktheit ein tiefgehender Streifzug durch die Geschichte von Mensch und Fleisch, teils ironisch und spitzzüngig, aber immer fundiert (außer dass Hunde und Katzen in Südostasien nicht gelegentlich, sondern regelmäßig gegessen werden). Und weil es eine blutige Geschichte ist, hat man sich für die Textfarbe Rot entschieden…
Was die persönlichen Ansichten des Autors angeht, muss man diese nicht teilen. Jedenfalls ist Steffelbauers Buch ein wichtiger und erhellender Beitrag in einer Debatte, die noch lange nicht ausdiskutiert ist. Ärgerlich sind die Grammatik- und Flüchtigkeitsfehler, die mit steigender Seitenzahl zunehmen – das muss nicht sein.