"Ich leide nicht an Corona. Ich leide an Corinna." - Nur ein Beispiel von vielen für René Freunds Wortwitz. Die spritzigen Dialoge kennt man schon aus den früheren Romanen des Autors. Als Dramaturg versteht es Freund, Szenen lebendig zu gestalten. Und so hat er, was ursprünglich als Theaterstück, als "virale Komödie", konzipiert war, flugs in einen Roman verwandelt.

Wer sind die Protagonisten dieses unfreiwilligen Kammerspiels, die so lange an ihren Widersprüchen kratzen, bis die blanken Charaktere freiliegen? Corinna und David, deren Tinder-Namenskürzel zusammengenommen übrigens "Covid-19" ergeben, haben sich über die Online-Dating-Plattform kennengelernt und wollten sich nach einem eher unbefriedigenden Abend eigentlich für immer gegenseitig aus dem Leben wischen. Aber dann ...

Der Pizzabote ist "positiv - glückliche Zeiten, als man darunter etwas Gutes verstand! In der Roman-Szenerie bedeutet der flüchtige Kontakt mit dem positiv Getesteten jedenfalls Quarantäne mit absolutem Ausgehverbot. Corinna muss bei David ausharren und ihm schwer auf die Nerven gehen. Und vice versa.

- © Zsolnay
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Kein Wunder: David ist ein verkorkster Musiklehrer und esoterisch angehauchter Bobo, der sich lieber auf einen diffusen Aura-Spray als auf die eigene Ausstrahlung verlässt. Corinna kommt aus einer komplett anderen gesellschaftlichen Ecke: Sie ist frustriert, aufmüpfig, erdig. Er ein ordnungsfanatischer Veganer, sie eine chaotische Fleischesserin. Klischees und Vorurteile treffen im wilden, amüsanten Pingpong aufeinander.

Schön, wenn man beim Lesen feststellt, dass man es selber trotz Homeoffice-Hamsterrad eigentlich ganz gut getroffen hat - zum Glück verdammt einen der positiv getestete Pizza- oder Amazon-Bote nicht zum zweiwöchigen Zwangsaufenthalt in einer fremden Wohnung. Was sind in der Realität schon die harmlosen Schrullen der familiär Mitinhaftierten gegen die Vorstellung, mit einem verklemmten Esoteriker auf engstem Raum zusammengesperrt zu sein? Oder - wahlweise - mit einer wütenden Spätpubertierenden? So schlimm ist es in Wirklichkeit dann doch gar nicht! Allerdings haben es die beiden Protagonisten nach Abzug der ersten Hindernisse vielleicht doch auch nicht so schlecht getroffen ...

René Freund, geboren am Valentinstag 1967, lebt als Autor und Übersetzer in Grünau im Almtal und in Wien. Mit den Romanen "Liebe unter Fischen", "Niemand weiß, wie spät es ist" und "Ans Meer" etablierte er sich als Autor kluger und unterhaltsame Beziehungsromane. Zuletzt veröffentlichte er mit dem Roman "Swinging Bells" (2019) ebenfalls ein adaptiertes Theaterstück. Unter dem Namen "Corinna und David" steht das "Das Vierzehn-Tage-Date" als Komödie im Wiener Metropol seit Monaten auf der Warteliste.