Wie weit kann und darf Künstliche Intelligenz (KI) gehen? Wie lebensecht (im wahrsten Sinn des Wortes) können und sollen Roboter werden? Und welche nicht nur technologischen, sondern auch moralischen und ethischen Herausforderungen bringen Androiden, die am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, mit sich?

Große Fragen tun sich auf beim Thema KI und Robotik. Und es ist den beiden Journalisten David Edmonds und Hugh "Bertie" Fraser tatsächlich gelungen, sie vielleicht nicht letztgültig zu beantworten, aber zumindest in eine für Kinder verständliche Form zu gießen. Denn in "Undercover Robot - Mein erstes Jahr als Mensch" loten sie die Grenzen der KI aus. Und zwar auf sehr humoristische Weise. Konkret schicken sie einen elfjährigen Androiden - oder besser gesagt: einen Androiden, der eine Elfjährige darstellt - für ein Jahr in eine Schulklasse. Dottys Auftrag: Bloß nicht auffallen, denn sie ist einer von weltweit fünf Robotern, die im Rahmen eines Wettbewerbs beweisen sollen, dass die Technologie schon so weit ist, dass Androiden wirklich nicht mehr von Menschen zu unterscheiden sind.

Optisch jedenfalls gelingt das tatsächlich: Dottys Haut fühlt sich an wie Menschenhaut; sie hat sogar einen Ersatz für einen Verdauungsapparat und kann somit echte Speisen essen; dass ihre Bewegungsmuster flüssig sind, versteht sich von selbst; nur an der Stimme muss man vielleicht noch arbeiten. Das Wichtigste aber: Der Roboter entwickelt sogar Gefühle - oder besser gesagt: Er errechnet sie sich und stellt diesen Zustand authentisch dar. Und genau daraus sowie aus der naiven Unbedarftheit einer Maschine, die menschlicher Irrationalität nur bedingt folgen kann, entwickeln sich unheimlich lustige Verwicklungen und Verwirrungen, mit denen Fraser und Edmonds nicht nur ihre kleinen Leser unterhalten.

Und das ist das Großartige an ihrem Buch: Ein Volksschulkind liest darin einfach eine unterhaltsame Geschichte, in der ein arg vermenschlichter Roboter in einer Art Tagebuch erzählt, was ihm in und außerhalb der Schule so alles widerfährt. Ein Teenager liest darin eine Art Coming-of-Age-Roman, weil besagter Roboter für seine humane Umwelt mitsamt seinen Mitschülern ja in Richtung Pubertät unterwegs ist. Und ein Erwachsener liest darin ein Lehrstück über die großen Fragen von Ethik und Moral, die KI mit sich bringt, freilich niedlich verpackt (es ist ja immer noch ein Kinderbuch). Es schreit also direkt danach, dieses Buch nicht einfach seinen Kindern zu schenken, sondern es ihnen als Eltern vorzulesen.