Man kennt die Szenerie aus Teenagerfilmen: Die Clique, die eigentlich längst schlafen sollte, sitzt nachts im dunkeln Zimmer, und einer leuchtet sich von unten mit der Taschenlampe an und erzählt mit düsterer Stimme eine Gruselgeschichte, die wohlige Schauer auslöst. Bloß, dass diese Rolle in Jeff Kinneys neuestem Buch aus dem "Gregs Tagebuch"-Universum Rupert Jefferson einnimmt. Und Gregs bester Freund hat zwei prägnante Eigenschaften: Er ist unheimlich naiv. Und er lässt sich leicht beeindrucken. Entsprechend (nicht) gruselig sind seine Gruselgeschichten.

Was aber nicht heißt, dass sie keinen hohen Unterhaltungswert hätten. Denn Jeff Kinney, der seit einiger Zeit nicht nur seinen unbestrittenen Comichelden Greg Heffley, sondern eben auch dessen mitunter sehr bemitleidenswerten Kumpel Rupert Jefferson in eigenen Büchern ausführlich zu Wort kommen lässt, hat diese Figur über die Jahre immer weiterentwickelt und mit (Eigen-)Leben versehen. Und so blitzt in jeder der 14 Gruselgeschichten (oder was Rupert halt dafür hält) jener absurde Humor durch, der "Gregs Tagebuch" so erfolgreich macht. Wenn Rupert über Geisterfreunde, Zombie-Invasionen oder Frankensteins Monster 2.0 schwadroniert, dann klingen manche Kapiteltitel zum Fürchten - doch am Ende schlottert man eher vor Kichern als vor Angst. 

Das liegt zu einem Gutteil auch daran, dass Jeff Kinney die Strichzeichnungen dafür gewohnt herzig gestaltet hat, was dem Ganzen zusätzliche Schärfe nimmt. Und so sind auch Ruperts "Echt unheimliche Gruselgeschichten" schon für Volksschüler bestens geeignet - wiewohl auch Ältere sich davon durchaus unterhalten lassen können. Vor allem, weil zwischen den Zeilen auch sehr viel erwachsener Humor steckt, der allerdings bei jüngeren Lesern nicht stört: Entweder verstehen sie zumindest das Wesentliche oder sie lesen einfach darüber hinweg. So haben jedenfalls Erstleser und Erzeugerfraktion ein Buch, das sie ruhig auch gemeinsam lesen können. Einzig der Zeitpunkt der Veröffentlichung irritiert ein wenig, schließlich ist Halloween noch ein halbes Jahr entfernt. Und einmal ehrlich: Wer schafft es schon, das Buch jetzt zu kaufen und erst in fünf Monaten zu lesen?!