Eric Carle ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 23. Mai in seinem Haus in Northampton (Massachusetts) im Alter von 91 Jahren gestorben. -jährig gestorben. Carle galt weltweit als einer der führenden Kinderbuchautoren.

Egal, ob Kind oder Erwachsener: Jeder kennt die Raupe Nimmersatt. Nur den Namen ihres Erfinders, den wissen die wenigsten. Das ist wahre Popularität: Wenn das Werk so im Bewusstsein verankert ist, dass man es für gleichsam natürlichen Ursprungs, geradezu gottgegeben hält und den Namen des Autors vergisst.

Im Fall der Raupe Nimmersatt war dieser Autor Eric Carle. Geboren wurde er am 25. Juni 1929 in Syracuse (Bundesstaat New York). Seine Eltern waren deutsche Einwanderer, die aus Begeisterung für den Nationalsozialismus nach Deutschland zurückgingen. Dort erlebte Carle die NS-Erziehungsmethoden mit Schlägen und Drill. Als Fünfzehnjähriger musste er Gräben am Westwall ausheben. Neben ihm wurden sowjetische Zwangsarbeiter erschossen.

Eric Carle - © dpa / Verlag Gerstenberg
Eric Carle - © dpa / Verlag Gerstenberg

Nach dem Krieg kehrte sein Vater psychisch und physisch gebrochen aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Bis 1952 lebte Carle in Stuttgart, wo er an der Akademie der bildenden Künste studierte. 1952 verließ er Deutschland und ging wieder in die USA. Angeblich hatte er nur 40 Dollar bei sich. Die "New York Times" stellte ihn als Grafikdesigner an. Und nochmals Deutschland: Aufgrund der Wehrpflicht in den USA während des Koreakrieges wurde er als Soldat der Zweiten Division der US-Armee verpflichtet und diente in deren Poststelle.

Paul Klee der Bilderbücher

Nach seiner Entlassung kehrte Carle in seinen Beruf bei der "New York Times" zurück, ehe er als freier Illustrator und Autor leben konnte. Seine Erfolge machten es ihm möglich, in Amherst das Eric Carle Museum of Picture Book Art zu gründen.

Seine Karriere als Illustrator begann Carle 1965 mit einer Ausgabe von Äsops Fabeln für moderne Leser, 1967 folgte Bill Martins Kinderbuch "Brauner Bär, wen siehst denn Du?", im Jahr darauf veröffentlichte er sein erstes eigenes Bilderbuch, "1, 2, 3 ein Zug zum Zoo". 1969 folgte "The Very Hungry Caterpillar" (Die kleine Raupe Nimmersatt), bei der Carle Löcher ins Papier stanzte – wie sich die Raupe eben durch alles durchfuttert, was ihr begegnet. Unter seinen anderen Bilderbüchern sind "Wo mag nur meine Katze sein?", "Der kleine Käfer Immerfrech", "Die kleine Spinne spinnt und schweigt" und "Brauner Bär, wen siehst denn du?".

Carle hatte seine Einschulung, die noch in den USA stattgefunden hatte, als nahezu traumatisierend, zumindest als einschneidend empfunden. Mit seinen Kinderbüchern wollte er, eigener Aussage zufolge, über den Graben zwischen einer von Spiel und sinnlicher Welterfassung geprägten Kindheit und einer von Disziplin und abstraktem Denken geprägten Jugend eine Brücke bauen. Öfter als 100 Mal machte er das in Form seiner Bilderbücher, die in mehr als 70 Sprachen übersetzt wurden.

Carles Vater hatte den Buben mit den scheinbar kleinen Dingen der Natur vertraut gemacht, mit Insekten, Steinen und Gräsern. Das floss in Carles Arbeit ein. Als weiterer Faktor kam die vermeintliche Simplizität der Werke Paul Klees dazu, die er schon als Mittelschüler in Deutschland heimlich durch einen Zeichenlehrer kennengelernt hatte, der die Vorgaben der Nationalsozialisten ignorierte.

Mit modernen Techniken wie Vereinfachungen und Collagen verzauberte Eric Carle Kinder wie Erwachsene. Noch 2020 hatte er "Polar Bear, Polar Bear, What Do You Hear?" herausgebracht. Wie sehr wird seine Kreativität fehlen.