Gustav spricht nicht. Nicht, weil er es nicht könnte, sondern weil er nicht will. Aus Protest gegen den neuen Freund seiner Mutter, den er bei sich nur "den Mann" nennt. Denn Gustav würde viel lieber endlich seinen Vater kennenlernen. Seinen richtigen, den er noch nie gesehen hat, und der offenbar beim Zirkus war, so wie sein Großvater, der nach einem Leben als Clown in der Manege nun im Altersheim sitzt - bis die quirlige Charlie auftaucht, die das Leben von Gustav und seinem Opa ordentlich durcheinanderbringt. Und ehe es sich die beiden versehen, sitzen sie mit Charlie zu dritt in einem VW Bulli (natürlich braucht es dieses Kultauto für ein richtiges Roadmovie) auf der Suche nach Gustavs Vater.

Die Reise führt sie quer durch Europa, von Deutschland aus durch Polen, die Slowakei, Ungarn, Bulgarien bis in die Türkei. Und auf ihrem Weg werden die drei von einem früheren Zirkuskollegen des Großvaters zum nächsten geschickt, quasi eine Schnitzeljagd durch Osteuropa. Am Ende, so viel sei verraten, findet Gustav seinen Vater - aber vor allem hat er seinen Opa erst so richtig kennengelernt. Und irgendwann ist auch seine Mutter nolens volens plötzlich mit dabei, nachdem sie zunächst alleine mit dem Freund an die Ostsee gefahren ist und Gustav eigentlich wohlbehütet daheim bei einer Freundin glaubte. Und da zeigt sich dann einmal mehr die Diskrepanz zwischen erwachsenem Beziehungsleben (und -ende) und kindlichen Wunschvorstellungen über Vater-Mutter-Kind-Konzepte.

Warum Lisa Krusche ihrem Roadmovie den etwas sperrigen Titel "Das Universum ist verdammt groß und super mystisch" gegeben hat, erschließt sich erst recht spät. Die Story ist jedenfalls wesentlich flotter, als der Titel glauben lässt. Und sie lebt vor allem von dem Gegensatzpaar Gustav und Charlie: auf der einen Seite der introvertierte Bursche, der beharrlich schweigt und nur schriftlich kommuniziert und sich nichts sehnlicher gewünscht hat als einen Welpen, aber eine Wasserpflanze bekommen hat, die er Agatha nennt und mit der er stumme Dialoge führt; und auf der anderen Seite die leicht überdrehte Charlie, die für zwei plappert und Gustav knallhart aus seiner Wohlfühlzone vulgo Schneckenhaus hinausstößt - und in seinem Opa natürlich einen Verbündeten findet, weil der durch sie seinen zweiten Frühling erleben kann. Und das Buch lebt auch von den vielen Begegnungen auf den Reiseetappen, die meist eher am Rand der Gesellschaft stattfinden. Lisa Krusche schickt ihr Trio im Bulli auf Nebenpfaden von Berlin bis zu einer türkischen Insel. Und einmal mehr erweist sich ein alter Spruch als richtig: Jede Reise ist auch eine Reise zu sich selbst.