Am 16. Juni beginnt der Klagenfurter literarische Zehnkampf: Ein Autor gegen neun Juroren. Und das vierzehn Mal. Die Lorbeerbekränzung in Form des Ingeborg-Bachmann-Preises (25.000 Euro), des Deutschlandfunk-Preises (12.500 Euro), des Kelag-Preises (10.000 Euro), des 3sat-Preises (7.500 Euro) sowie des BKS-Bank-Publikumspreises (7.000 Euro plus Stadtschreiberstipendium) findet dann am 20. Juni statt.

Das Wettlesen um den Bachmann-Preis hat etwas von einem antiken Dichterwettstreit. Die Form der Austragung freilich ist ganz modern - was der Corona-Krise geschuldet ist: Die Teilnehmer lesen via Video und sind bei der Diskussion ihrer Texte live aus dem Homeoffice zugeschaltet. Die Jury allerdings wird, im Unterschied zum Vorjahr, live in Klagenfurt diskutieren, wenngleich ohne Publikum. Das kann via ORF teilnehmen. Auch einen Instagram-Livestream wird es geben.

Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind Frauen in deutlicher Überzahl: Neun Autorinnen stehen nur fünf Autoren gegenüber.

Die Österreicherinnen und Österreicher sind die in Teheran geborene und in Graz lebende Nava Ebrahimi, die Salzburgerin Katharina J. Ferner, die Kärntner Slowenin Verena Gotthardt, die Wienerin Magda Woitzuck und der Grazer Fritz Krenn.

Aus Deutschland kommen in diesem Jahr Heike Geißler, die gebürtige Russin Anna Prizkau, Nadine Schneider, Dana Vowinckel, Timon Karl Kaleyta, Necati Öziri und Leander Steinkopf; aus der Schweiz Lukas Maisel und Julia Weber.

Erfahrene Autoren

Auf Experimente mit literarisch weitestgehend unerfahrenen Einsteigern und Vertretern neuer Literaturformen haben die einladenden Juroren diesmal verzichtet. Alle heuer teilnehmenden Autorinnen und Autoren haben mehr oder minder umfangreiche Arbeiten in den traditionellen Hauptkategorien der Literatur, also Erzählung, Lyrik, Drama und Essay, vorgelegt, und zwar, auch das ganz traditionell, in gedruckter Form auf Papier.

Nava Ebrahimi (1978 geboren), die seit 2012 in Graz lebt, hat die Romane "Sechzehn Wörter" und "Das Paradies meines Nachbarn" und etliche Kurzgeschichten und Essays verfasst. Von Katharina J. Ferner (1991 geboren) sind zwei Romane "Der Anbeginn" und "Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste") und ein Gedichtband ("nur einmal fliegenpilz zum frühstück") erschienen. Roman, Kinderbuch und Essay ist die Domäne von Heike Geißler (1977 geboren), während Timon Karl Kaleyta (1980 geboren) ein Sachbuch herausgebracht hat und seinen vielbeachteten Debüt-Roman "Die Geschichte eines einfachen Mannes".

Lukas Maisel (1978 geboren) hat mit "Buch der geträumten Inseln" ein Bindeglied zwischen Jules Vernes phantastischen Reiseromanen und Ethnographie geschaffen, Necati Öziri (1988 geboren) ist mit Theaterarbeiten und Kurzprosa hervorgetreten.

Anna Prizkau (1986 geboren) hat den Erzählungsband "Fast ein neues Leben" veröffentlicht, die studierte Musikwissenschafterin Nadine Schneider (1990 geboren) hat mit dem Roman "Drei Kilometer" auf sich aufmerksam gemacht, der von der Agonie des Ceauşescu-Regimes und persönlichen Verstrickungen in den politischen Umbruch handelt.

Leander Steinkopf (1985 geboren) hat die Literatur um Erzählungen und Essays bereichert. Julia Weber (1983 geboren) hat im Roman "Immer ist alles schön" eine mit leisem Humor erzählte Familiengeschichte über Lebensfreude und Scheitern veröffentlicht. Magda Woitzuck (1983 geboren) ist mit Hörspielen hervorgetreten und hat weiters den Beinahe-Krimi "Über allem war Licht" und die Erzählungs-Trilogie "Ellis" veröffentlicht.

Wechsel in der Jury

Die jüngsten Teilnehmerinnen sind Verena Gotthardt und Dana Vowinckel (beide 1996 geboren), beide sind sie mit Lyrik und Kurzprosa hervorgetreten. Ältester Teilnehmer ist Fritz Krenn (1958 geboren): Er hat mehrere Erzählungen und Theaterstücke vorgelegt, etwa "Goldes" und "Cramer".

Für Spannung beim Bachmann-Wettlesen schafft auch jedes Jahr wieder die Besetzung der Jury: Neue Vorsitzende ist Insa Wilke, der bisherige Vorsitzende Hubert Winkels wird mit seiner "Klagenfurter Rede zur Literaturkritik" am 16. Juni die Veranstaltung eröffnen, aber, ebenso wie Nora Gomringer, nicht mehr der Jury angehören. Als neue Mitglieder kommen Mara Delius, Leiterin der Literarischen Welt bei "Die Welt", und die österreichische Schriftstellerin Vea Kaiser hinzu. Weiter in der Jury sind Klaus Kastberger, Brigitte Schwens-Harrant, Philipp Tingler und Michael Wiederstein.(eb)