Wenige Minuten nach der virtuellen Preisverleihung führte die frisch gebackene Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi am Sonntagmittag mit der APA das folgende telefonische Siegerinnen-Interview:

Nava Ebrahimi wurde im Iran geboren und lebt in Graz. Am Sonntag, 20. Juni 2021, ist sie bei der virtuell gehaltenen Preisverleihung mit dem 45. Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden. 
- © APA / ORF/LST KÄRNTEN/CLARA WILDBERGER

Nava Ebrahimi wurde im Iran geboren und lebt in Graz. Am Sonntag, 20. Juni 2021, ist sie bei der virtuell gehaltenen Preisverleihung mit dem 45. Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden.

- © APA / ORF/LST KÄRNTEN/CLARA WILDBERGER

APA: Herzliche Gratulation zum Bachmann-Preis, Frau Ebrahimi. Sie hatten kurz nach der Bekanntgabe Tränen in den Augen, wie man am Bildschirm sehen konnte. Hat es Sie so emotional gepackt?

Nava Ebrahimi: Ja, aber auch im Theater muss ich am Ende, wenn die Schauspieler sich verbeugen und alle klatschen, oft weinen. Ich bin bei so etwas einfach nah am Wasser gebaut. Ich war auch sehr überrascht. Ich war wirklich überwältigt.

Wie haben Sie die Jury-Diskussion über Ihren Text empfunden?

Da war ich sehr aufgeregt und konnte das nicht gleich einordnen. Mara Delius hat zwar schon eindeutig Stellung bezogen, aber insgesamt war es nicht so: "Ah, ein supergeiler Text!" Ich hatte den Eindruck, man konnte der Jury beim Denken und Schürfen zusehen. Es war eine sehr gute Diskussion, aber nicht im Sinne von guter Text oder schlechter Text. Da war ich erst einmal irritiert und ratlos, dann hab ich mir das aber noch zwei-, dreimal angesehen und erst zwischen den Zeilen mitbekommen, dass es in den Augen der Jury schon etwas Neues, Anderes, Ungewohntes war. Das hat mich sehr gefreut. Aber ich muss das erst sacken lassen.

In Ihrem "Der Cousin" betitelten Text trifft eine Schriftstellerin in New York ihren Cousin, der ein erfolgreicher Tänzer geworden ist. Gibt es einen autobiografischen Kern in der Erzählung, die um die gemeinsame Vergangenheit kreist?

Es gibt einen wahren Kern in meinem größeren Verwandtschaftskreis, und davon ausgehend habe ich diese an sich fiktive Erzählung geschrieben.

Lässt sich für Sie schon abschätzen, was der Bachmann-Preis für Sie bedeuten wird - abgesehen von 25.000 Euro auf Ihrem Konto?

Ich hoffe, dass mein zweites Buch "Das Paradies meines Nachbarn", das ein bisschen durch Corona unter die Räder gekommen ist, noch einmal etwas verspätete Aufmerksamkeit bekommt. Ansonsten kann ich es noch nicht abschätzen. Mal schauen. Ich lasse es jetzt auf mich zukommen.

In Klagenfurt wären jetzt sehr viele Menschen um Sie herum. Da würden sich viele mit Ihnen freuen. Wie ist die Lage jetzt bei Ihnen zu Hause?

Eine Freundin und mein Mann sind hier. Alle anderen schauen von woanders. Aber ich denke, wir werden uns nachher noch alle treffen und feiern.

Haben Sie sich fix vorgenommen, im nächsten Jahr nach Klagenfurt zu fahren, wenn tatsächlich wieder "Normalzustand" herrschen sollte?

Ja, auf jeden Fall. Es ist mir echt ein Anliegen, das vor Ort einmal hautnah mitzuerleben. Und vielleicht ist es ja dann auch entspannter für mich.