Allein der Einstieg in David Zaouis Roman "Schmidt malt" wirkt zunächst an den Haaren herbeigezogen: Der in prekärer Unterbeschäftigung lebende Kunstmaler Alfredo besorgt seiner alleinlebenden Großmutter, bei der Alzheimer diagnostiziert wurde, ein Assistenztier, und zwar ein Kapuzineräffchen, das ihr im Haushalt helfen soll. Eine kurze Google-Recherche zeigt: Das gibt es wirklich. Im konkreten Fall nennt die Familie die kleine Affendame Schmidt (was angesichts der Tatsache, dass der Roman in Paris spielt, ein doch recht kurioser Name ist). Allerdings dauert es nicht lange, bis Schmidt zu Alfredo ins Exil flüchtet, weil sie der dementen Oma nicht gewachsen ist.

Parallel dazu ist Alfredo weiter auf Jobsuche - und gerät dabei in die Mühlend es staatlichen Fürsorgesystems samt Jobcenter. Dort sitzt ein Betreuer, der ihm die immer gleichen Schimmelbriefe schickt, was den brotlosen Künstler zu immer neuen pampigen Antwortschreiben provoziert. Es sind einerseits diese Briefe und anderseits die fast schon herzerwärmende Geschichte einer (sehr platonischen) Affenliebe, die den Reiz des Buches ausmachen. Wir leiden mit dem Kunstmaler Alfredo mit, der sich von seinem Jobbetreuer nur gefrotzelt fühlt; und wir leiden mit dem Enkel Alfredo mit, der sich Sorgen um seine immer schwieriger werdende Oma macht. 

Der Autor David Zaoui schafft es, mit viel Satire zwei ernste Themen so zu beleuchten, dass man nachher einerseits ein schlechtes Gewissen hat, weil man erstens selbst einen gut bezahlten Vollzeitjob hat und zweitens seine Oma endlich wieder besuchen sollte; und andererseits trotzdem herzhaft über Alfredo und seinen Lebensgrant schmunzeln kann.

David Zaoui: Schmidt malt
Droemer; 223 Seiten; 15,50 Euro