Wissen Sie, was ein Pollotarier ist? (Jemand, der kein rotes Fleisch isst, sondern nur Geflügel) Von welchem Fleisch der durchschnittliche Europäer am meisten isst? (Schwein, gefolgt von Huhn) Oder wie alt ein Huhn würde, wenn man es nicht frühzeitig schlachtete? (Zehn Jahre) Diese und viele weitere wissenswerten Dinge über Fleisch - und vor allem über die Tiere, die von Menschen gezüchtet, gehalten, geschlachtet und zu Fleischwaren verarbeitet werden - erfährt man in Christoph Drössers und Nora Coenenbergs Sachbuch "Es geht um die Wurst".

Der Journalist und die Illustratorin, die schon in ihrem Buch "100 Kinder" die Weltbevölkerung anschaulich dargestellt haben, widmen sich nun dem Thema Fleisch in allen Facetten. Sie schildern, wie Hühner, Schweine und Kühe in Mastbetrieben gehalten werden - und wie sie sich normalerweise in natürlicher Umgebung verhalten würden. Sie erläutern, wie Wurst gemacht wird und vor allem welche Teile der Tiere, die wir sonst nicht freiwillig essen würden, dabei verwertet werden. Sie zeigen auf, wie viel Lebensraum ein Nutztier eigentlich bräuchte im Vergleich zu dem, was es oft hat. Und sie erklären auch, auf welche Arten Tiere geschlachtet werden.

Drösser und Coenenberg nehmen sich kein Blatt vor den Mund und sprechen offen aus, was es auszusprechen gibt, ohne Beschönigung, aber auch betont nüchtern. Sie rechnen knallhart vor und lassen nackte Zahlen für sich sprechen - freilich in der Sprache und Darstellung kindgerecht umgesetzt. Ihr Ziel ist aber nicht, aus allen kleinen Leserinnen und Lesern Vegetarier oder gar Frutarier zu machen (sie erläutern nämlich auch, warum vegetarisches Essen nicht automatisch besser für Natur und Tiere ist).

Dem Duo geht es vielmehr darum, das Bewusstsein zu schärfen für das, was bei uns Tag für Tag auf dem Teller liegt. Sich zu vergegenwärtige, dass das vorher ein lebendes Tier war und keine tote Sache. Im Idealfall geht die Zielgruppe ihres Buches beim nächsten Einkauf mit offeneren Augen an der Kühltheke vorbei und schaut zum Beispiel, welches im Buch erwähnte Gütesiegel sie dabei so entdeckt - und  weiß dann auch, was davon zu halten ist.