Pfarrer als Detektive, das kennt man ja. Aber einen Pastor als Mörder? Bernd Schwarze, selbst evangelischer Pastor, betritt mit seinem Krimi "Mein Wille geschehe" Neuland und wagt sich dabei nicht nur ins Mordgenre, sondern auch in die Untiefen evangelischen Lebens. Denn er lässt einen Berufskollegen einen echten Ungustl töten, der seine Ehefrau misshandelt, was die Frage aufwirft: Wann ist ein Mord gerechtfertigt? Und benutzt nicht Gott womöglich auch manchmal das Böse, um Gutes zu bewirken?

Überhaupt benutzt Pastor Schwarze den Mord in seiner Kirche (die Handlung spielt nämlich an seiner Wirkungsstätte, was ihm freilich einen gewissen Heimvorteil verschafft), um große theologische Fragen zu stellen und auch zu beantworten. Und es kommt sogar eine Predigt vor. Aber keine Angst, es wird nicht moralisierend, und die Handlung ist viel zu unterhaltsam, als dass man Sorge haben müsste, eine Kanzelrede zu lesen. 

Denn Schwarze, dessen Buch nach einem gemeinsamen Abendessen mit niemand Geringerem als dem Thrillerautor Sebastian Fitzek entstanden ist (dieser hat auch ein Nachwort beigesteuert), greift tief in das Fass mit der schwarzen Satire und schüttet sie genüsslich über dem eh schon schwarzen Talar seines Protagonisten aus.

Begleitet wird Pastor Benedikt Theve, dem sein unfreiwilliger Mord im Affekt inmitten einer Ehe- und Amtskrise plötzlich unerwarteten Auftrieb und Schwung gibt, von Figuren, die es nicht nur in der evangelischen Amtskirche so lieber nicht geben sollte: einem geltungssüchtigen Vikar; einer Superintendentin, der jedes Mittel recht ist, um sich in ihrer männerdominierten Berufswelt zu behaupten; einem Altbischof, der mit seinem Glauben hadert und sich in Zynismus flüchtet; einem Küster, der sich als eigentliche Herr im Gotteshaus sieht; und einer offenbar untreuen Pastorenfrau.

Es ist eine Parabel auf den Zustand der evangelischen Kirche des 21. Jahrhunderts und zugleich trotzdem auch ein moralisches Lehrstück. Denn Pastor Theves bleibt bei allen Bemühungen um die Beseitigung der Leiche trotzdem noch Seelsorger und kümmert sich um die eine oder andere dringliche, peinliche Not seiner Schäfchen, die oft genug Fragen aufwerfen, deren Antwort kein einfaches Ja oder Nein sein kann. Vor allem aber ist es eine nicht rasante, aber doch sehr unterhaltsame Krimisatire.