Wenn Musiker unter zu viel Tagesfreizeit leiden, kommen sie mitunter auf schlechte Ideen - Drogenmissbrauch, Immobilienspekulation oder die Gründung einer eigenen Modelinie wären zu nennen. Manchmal entsteht daraus aber auch etwas Gutes: Der als Mitglied der deutschen Band Tocotronic bekannte Schlagzeuger Arne Zank etwa erinnerte sich an sein abgebrochenes Studium für Illustration sowie an eine Zeit als Comiczeichner für die "Kölner StadtRevue". Er eröffnete einen Instagram-Account, veröffentlichte dort die Webtoonserie "Die Vögel" und erheiterte das Netz, während er gleichzeitig Struktur in seinen Alltag brachte, um sich damit auch von einer Suchterkrankung zu befreien.

Gezeichnet im Graubereich zwischen niedlichem Kinderbuch-Stil und verwegenem Do-it-yourself-Punk, ist der daraus hervorgegangene, soeben im Mainzer Ventil Verlag erschienene Band "Die Vögel - fliegen hoch!" weder an Alfred Hitchcocks auf Daphne du Mauriers gleichnamiger Kurzgeschichte basierendem Klassiker "Die Vögel" orientiert - noch erlebt man Arne Zanks gefiederte Freunde tatsächlich über den Wolken. Bis auf einen verletzungsbedingten Ausflug mit einem von der Krankenkasse als Mobilitätshilfe zur Verfügung gestellten Hubschrauber - "Das ganze Gesundheitssystem ist doch krank!" - stehen die Piepmätze trotz unsteten Lebenswandels mit beiden Krallen auf dem Boden.

Peng, peng!

Immerhin kommt es gleich eingangs im Zuge eines spielschuldenbedingten und einst auch von der EAV in bester Comictechnik besungenen Ba-Ba-Banküberfalls zur Verwandlung in eine Raubvogel-Gang auf der Flucht, die die gesamte Geschichte bestimmen wird. Man hat es mit einem illustrierten Roadmovie zu tun, das alte französische Gaunerfilme ebenso mitdenkt wie einschlägige Action-Thriller, bei denen es zwischen minderbemittelten Kriminalbeamten und der Straße als Storyline pausenlos zu spektakulären, bei Arne Zank selbstverständlich skurril persiflierten Fluchtmanövern und Verfolgungsszenen kommt, die außer Schüssen immer auch Ausrufe wie "Scheiße, die Bullen!" oder "Und jetzt: Vollgas!!" inkludieren. Baller-baller! Peng, peng!

Die Vögel auf dem Weg zum Tocotronic-Konzert. Die Band hat noch immer die Haare schön 
- © Ventil Verlag

Die Vögel auf dem Weg zum Tocotronic-Konzert. Die Band hat noch immer die Haare schön

- © Ventil Verlag

Nachdem Arne Zank mit seiner Coda zum zuletzt ebenso bei Ventil veröffentlichten Songcomic "Sie wollen uns erzählen" Tocotronic als Zusammenschluss befreundeter Vögel porträtierte, steht in "Die Vögel" nun auch der Konzertbesuch einer "in die Jahre gekommenen Indie-Rock-Band" auf dem Programm. Deren Mitglieder haben zwar die Haare noch immer schön, sie "waren aber auch schon mal progressiver". Mangelnde Selbstironie wird man Arne Zank also eher nicht unterstellen können.

(Pop-)Kulturelle Querverweise gibt es aber auch in nicht selbstreferenziell. Wenn etwa im dänischen Arrest Musikfoltermethoden wie in Guantanamo vermutet werden, es sich dabei aber nur um das nahe gelegene Roskilde-Festival handelt, oder "der weltberühmte Künstlervogel Olafur" mit einer weiteren Installation mit viel buntem Licht und Nebel durchaus nicht zu begeistern weiß, hat Arne Zank die Lacher definitiv auf seiner Seite.

"Die Vögel im Baum / Sie kapitulieren" - glücklicherweise gilt diese Tocotronic-Textzeile aus dem Jahr 2007 weder für die Figuren noch für ihren Zeichner. Der Song "Wir sind vogelfrei" (na ja, so ähnlich) stammt allerdings von den Hamburger-Schule-Kollegen Blumfeld.