Andro ist - richtig, der Name hat ihn verraten - ein Android. Ein Roboter also, der im Tarnkörper eines Zehnjährigen eine ganz normale Schule mit ganz normalen Kindern aus Fleisch und Blut besucht. Er selbst darf da um keinen Preis auffallen und muss mindestens 70 Freundschaftspunkte sammeln. Andernfalls werden ihn seine Erbauer-Eltern - ebenfalls Androiden, die der festen Überzeugung sind, dass die Roboter längst die Menschen hinter sich gelassen haben - einfach abschalten und einen neuen Androiden-Sohn ins Rennen schicken, natürlich in einer nochmals verbesserten Version.

Nun, verbessern könnte Andro noch einiges, vor allem in seiner Kommunikation. Denn - und davon lebt ein Gutteil des Witzes von Kai Pannens neuem Buch "Andro, streng geheim!" - er nimmt natürlich viel zu viel wörtlich, was seine Klassenkameraden, Lehrer und sonstige Erwachsene so an Sprüchen von sich geben. Ob nun "Hau rein!" beim Kuchenessen (Achtung! Andro hat nur einen begrenzten Tank, in den er Lebensmittel pseudo-essen, also hineinschütten kann!) oder "ein bisschen was auf die Rippen bekommen"- woraufhin er sich sein Essen genau dorthin schmiert.

Und blöd ist es natürlich auch, wenn man beim Fußball dank mathematisch-kalkulatorischer KI-Höchstleistung wider aller Erwarten zum besten Torschützen der Klasse wird, aber einem dann plötzlich unerwartet der Saft ausgeht, und man den Rest des Spiel bloß noch kraftlos herumhängen kann und sämtliche Bonuspunkte wieder verliert.

Und Andro kann auch nicht einfach so den Klassenprimus ausbessern, wenn er sieht, was der im Informatikunterricht beim Code-Programmieren da herumpfuscht (trotzdem gelingt es ihm, die Sache zu korrigieren, aber Lob gibt es dafür keines, bloß heimlichen Neid). Überhaupt: Das Zwischenmenschliche liegt dem armen, kleinen Roboter überhaupt nicht, er tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Und doch macht er - teils versehentlich - nicht alles falsch, sondern manches goldrichtig. So wie er vieles zwar gut meint, aber dann halt nicht gut macht.

Und natürlich kommen in der Geschichte auch Fieslinge (die mitunter ihrerseits dann wieder unerwartete Ängste zeigen) und die Themen Freundschaft und Zuneigung (Liebe ist ein unpassendes Wort für jemanden, der keine Emotionen einprogrammiert hat) vor. Was halt Zehnjährige so beschäftigt. Der Autor holt seine Leserschaft nämlich dort ab, wo sie steht - und letztlich ist das Thema KI im Klassenzimmer vor allem ein guter Rahmen für einen Roman zum Thema Prä-Pubertät. Und halt auch ein idealer Gag-Lieferant.