Der Grazer Schriftsteller Clemens J. Setz erhält den Georg-Büchner-Preis 2021. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 1951 verliehen. Übergeben werden soll die Ehrung an den 38-jährigen Setz am 6. November in Darmstadt.

Clemens J. Setz, am 15. November 1982 in Graz geboren, studierte Mathematik und Geschichte. Eigener Aussage zufolge war Setz ursprünglich nicht an Literatur interessiert, bis er auf die Gedichte Ernst Jandls stieß, die bei ihm als Initialzündung wirkten.
Setz arbeitete als Übersetzer, etwa von John Leakes "Der Mann aus dem Fegefeuer. Das Doppelleben des Jack Unterweger" und Büchern Edward Goreys. Er ist Gründungsmitglied der Literaturgruppe Plattform. 2007 veröffentlichte er seinen Debütroman "Söhne und Planeten". Für den Roman "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" (2011) erhielt Setz den Preis der Leipziger Buchmesse. Mit dem 2012 erschienenen Roman "Indigo" gelangte Setz auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Sprachflut auf 1.000 Seiten

Auf knapp mehr als 1000 Seiten entwickelt Setz dann in "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" (2015) ein Beziehungsdrama von Schuld, Hass, Manipulation und Sinnsuche. Was sich in der Inhaltsangabe wie ein Psychothriller ausnimmt, ist in der literarischen Umsetzung ein Experiment in nahezu barock wuchernder Sprache und spaltete die Literaturkritik: Von "Kultroman" war die Rede, von einer "faszinierenden Zumutung", aber auch von einer "Qual", wenngleich einer, "die sich lohnt".

Das jüngste Buch von Setz ist "Die Bienen und das Unsichtbare" (2020): Der Autor beschreibt darin seine Versuche, Plansprachen wie Esperanto, Volapük oder Klingonisch zu erlernen. Setz entwickelt dabei ein Panorama von Existenzkrisen und Spracherfindungen und überlegt, ob man in einer Plansprache dichten kann. Trotz eines vergleichsweise saloppen Tonfalls ist das Buch kein Kuriositäten-Panoptikum, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Sprach-Außenseitern.

Den Büchner-Preis vergibt die Darmstädter Akademie an Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Laut Statuten müssen die Preisträger "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten" und "an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben". Zu den Preisträgern vor 2000 gehören Erich Kästner (1957), Max Frisch (1958), Günter Grass (1965), Heinrich Böll (1967), Thomas Bernhard (1970), H. C. Artmann (1997) und Elfriede Jelinek (1998).

An einen österreichischen Autor ging der Preis zuletzt im Jahr 2009, als Walter Kappacher ausgezeichnet wurde. (eb/apa)

 

Georg-Büchner-Preisträger: Die Gewinner seit 2000

2021 Clemens J. Setz
2020 Elke Erb
2019 Lukas Bärfuss
2018 Terézia Mora
2017 Jan Wagner
2016 Marcel Beyer
2015 Rainald Goetz
2014 Jürgen Becker
2013 Sibylle Lewitscharoff
2012 Felicitas Hoppe
2011 Friedrich Christian Delius
2010 Reinhard Jirgl
2009 Walter Kappacher
2008 Josef Winkler
2007 Martin Mosebach
2006 Oskar Pastior
2005 Brigitte Kronauer
2004 Wilhelm Genazino
2003 Alexander Kluge
2002 Wolfgang Hilbig
2001 Friederike Mayröcker
2000 Volker Braun