Man stelle sich vor, eines Abends geht der Ehemann auf den Dachboden des Mehrfamilienhauses, um Wäsche abzuhängen - und plötzlich hat er ein Messer an der Kehle und wird von einem mutmaßlichen Serienmörder gezwungen, ihn zu seiner Frau zu führen. Und weil er die Nachbarin, deren Schlüssel er fürs Blumengießen hat, schon im Urlaub wäht, schließt er deren Tür auf. Doch sie ist, offenbar durch einen unglückseligen Zufall, wider Erwarten noch zuhause, und so nimmt das Verbrechen einen ungeahnten Lauf. Die Bilanz: eine Tote, ein Schwerverletzter und ein Phantom, das die Polizei nun weiterjagt, nachdem es wiederzugeschlagen hat.

Vor dieser Szenerie findet sich Elias Blom, mittlerweile in eine andere Abteilung versetzter Kriminalpolizist, in Henri Fabers neuem Thriller "Ausweglos" wieder. Versetzt wurde Blom deshalb, weil er schon zweimal daran gescheitert ist, den "Ringfingermörder", wie die Presse den Serienkiller genannt hat, zu fassen. Und weil er und sein damaliger Partner Mats versagt haben, wurden sie von ihren Oberen fallengelassen. Mats ist überhaupt dem Alkohol verfallen, hat die Polizei verlassen, und Elias hat ihn seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Was hätte er auch mit Mats reden sollen?

Nun aber wird er plötzlich aus dem Trott in der Einbruchsabteilung gerissen, weil er durch schieres Glück (wenn man es denn so nennen will) als einer der Ersten zum Tatort gerufen wird. Und weil inzwischen die Kripo von einem inkompetenten Obermacker geführt wird, der es gemeinsam mit seinen zweibeinigen Rottweilern sicher nicht auf die Reihe kriegen wird, ermittelt Elias zunächst auf eigene Faust an den Kollegen vorbei. Dass das nicht gutgehen kann, liegt auf der Hand. Aber (Glücksfall Nummer zwei) der Polizeipräsident hat ein Einsehen und beordert Elias als Kenner der Materie für diesen einen Fall zurück ins Team.

Und dieses steht bald vor allerlei Ungereimtheiten, was die Aussagen des selbst beim Überfall verletzten Ehemanns über den Tathergang betrifft. Denn eine fragwürdige Aussage führt zur nächsten, und auch seine Frau, die in der Wohnung gegenüber tief und fest geschlafen haben will, als das Verbrechen passierte, scheint nicht alles zu sagen, was sie weiß. Aber kann das vermeintliche Opfer doch der Täter sein? Und woher sollte es all die Details über den "Ringfingermörder" kennen, die Elias so frappant ins Auge stechen? Vor allem: Wo steckt der Journalist, der ihn und Mats damals mit einem hämischen Zeitungsartikel das Kreuz gebrochen hat und dann plötzlich von der Bildfläche verschwunden ist?

Nichts ist, wie es scheint, in diesem Thriller. Oder vielleicht doch. Und der Autor mischt die Erzählperspektiven so geschickt, dass sich zwar einerseits eine stringente Handlung ergibt, man aber andererseits als Leser mehrmals ordentlich an der Nase herumgeführt wird. Da glaubt man, endlich richtig kombiniert zu haben - und dann fällt doch wieder alles wie ein Kartenhaus zusammen. Zu viele Wendungen und neue Abzweigungen nimmt die Geschichte, die man nicht vorhergesehen hat, die man sich nicht einmal vorgestellt hätte. Und ja, an manchen Stellen treibt es Henri Faber auch wirklich sehr bunt mit der Handlung - um dann auch wieder kleine Details einzubauen, die zwar das Ganze wieder vorwärtsbringen oder drehen, bei denen man sich aber vor allem die flache Hand auf die Stirn schlägt, weil man den Hinweis darauf etliche Seiten früher einfach überlesen hat.