Wie haben die frühen Menschen getanzt? Wie hat ihre Musik geklungen? Wir wissen es nicht, können nur Vermutungen anstellen. Dank altsteinzeitlicher Höhlenbilder wissen wir zumindest, wie ihre Kunst ausgesehen hat. Warum sie diese Bilder malten und was sie damit ausdrücken wollten, wird sich uns aber vermutlich nie erschließen.

Dass wir heute derart viele Felszeichnungen kennen, die an den Originalorten nicht mehr zu sehen sind, verdanken wird dem deutschen Ethnologen Leo Frobenius. Er legte die weltweit bedeutendste Sammlung großformatiger Kopien prähistorischer Felskunst an: Die jahrtausendealten Bildensembles, oft an unzugänglichen Orten wie Höhlen und Wüsten zu finden, wurden zwischen 1914 und 1939 unter abenteuerlichen Umständen auf Leinwand abgemalt. Neben Nordafrika, der Sahara und dem südlichen Afrika entsandte Frobenius Expeditionen nach Spanien und Südfrankreich sowie nach Indonesien und Australien. So entstand eine Sammlung von über 5.000 Kopien, farbig und meist in Originalgröße mit Formaten von bis zu 2,5 x 10 Metern. Erst in jüngster Zeit konnte die fast vergessene, spektakuläre internationale Ausstellungsgeschichte dieser Bilder rekonstruiert werden, die in den 1930er Jahren in Europa und in den USA gezeigt worden waren.

Die Ausstellung im Museum Rietberg/Zürich ist zwar nicht mehr zu sehen, doch dank dieses Buches können Interessierte die Bilder studieren und mehr über die Expeditionen, Künstler und den Einfluss der Felszeichnungen auf die moderne Kunst erfahren. Großartig!