Es ist Festspielzeit in Salzburg. Und das bedeutet für den Kriminalkommissar Martin Merana, dass er seine guten Beziehungen zur Festspielpräsidentin spielen lassen muss, um dem Polizeipräsidenten Karten für eine hochrangige Delegation zu organisieren. Was für ihn eine lästige Pflicht ist - aber auch ein Glück, weil er nämlich nun auch bessere Karten in der Hand hat, als es gilt, einen uralten Fall aufzurollen.

Völlig unerwartet taucht nämlich unter einer toten Gams auf dem Kapuzinerberg ein Haufen Knochen auf. Und dabei handelt es sich um eine Lehrerin, die heute an die 100 Jahre wäre und am 22. Oktober 1956 spurlos verschwunden ist. Warum Merana diese Überreste besonders interessieren? Weil sie die Mutter seiner ehemaligen Professorin Emilia Stirner war, und zu ihr hat er eine emotionale Verbindung, denn auch seine eigene Mutter ist früh gestorben. 

Dass Merana nun 65 Jahre später Ermittlungen startet, ist seinem Chef zunächst ein Dorn im Auge. Zwar verjährt Mord bekanntlich nicht in Österreich, aber was soll es bringen? Die meisten Beteiligten sind ohnehin schon tot und der Ressourceneinsatz in diesem Fall eine Verschwendung. Meint der Polizeipräsident. Aber dann wird ausgerechnet eine einstige Schülerin der toten Frau Stirner, die Lehrerin an einem inzwischen aufgelösten Salzburger Gymnasium war, ebenfalls ermordet. Und plötzlich wird Merana nicht nur von der Kette losgelassen, sondern sogar beauftragt, sein Ermittlerteam zu vergrößern. Denn die Dame war einst eine hohe Politikerin, und der Landeshauptmann persönlich treibt die Polizei an.

Die hohe Politik mischt also nun mit in Meranas Ermittlungen, und während der Kommissar fest davon überzeugt ist, dass der alte und der neue Todesfall zusammenhängen, wischt sein Chef diese Theorie vom Tisch. Aber er wäre nicht Martin Merana, würde er sich dreinreden lassen bei seiner Mörderjagd.

Manfred Baumann setzt in seinem neuen Merana-Krimi "Salzburgsünde" die Kulisse der Salzburger Hausberge ein, um einmal mehr ein Stimmungsbild seiner Lieblingsstadt zu zeichnen, Festspiele und politische Verstrickungen inklusive. Diesmal allerdings stehen wirklich die Morde und ihre Aufklärung im Vordergrund, und beim Lokalkolorit hält sich der Autor zurück. Ganz darauf verzichten will er aber auch nicht. Dafür ist es diesmal auch eine (gesellschaftliche und musikalische) Reise zurück in die 1950er Jahre.