Freddie, Ben und Charlie haben eine Mission: Sie wollen Freddies leiblichen Vater finden, von dem ihm seine soeben verstorbene Oma in einem Nachlassbrief erzählt hat. Und das bedeutet, dass sie sich heimlich vom südenglischen Andover ins tiefste Wales davonstehlen. Denn Freddie hat Skrupel, seinen Adoptivvater, der ihn alleine großgezogen hat, nachdem seine Mutter gestorben ist, mit seinem Unterfangen vor den Kopf zu stoßen.

Dass es freilich keine gute Idee ist, wenn sich drei Halbwüchsige mutterseelenalleine mit viel zu wenig Reisebudget zu einer solchen Reise aufmachen, liegt auf der Hand. Aber – und deshalb ist es eine titelgebende Wunderreise – irgendwie schaffen sie es dann doch bis in den kleinen walisischen Ort St. Davids und finden Freddies Vater Alan Froggley. Dass der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon gestorben ist, können die drei natürlich nicht ahnen. Und doch ist es keine vergebliche Reise gewesen, weil Freddie in Alans Mutter eine neue Oma findet. Und weil er auf der mehrtägigen Odyssee durch Wales endlich erkannt hat, was wichtig ist im Leben: Freunde.

Und genau diese Freunde beschreibt Autorin Jenny Pearson in "Die unglaubliche Wunderreise des Freddie Yates" mit sehr viel Liebe zu ihren Figuren: den faktenverliebten Freddie, der sich leicht begeistern lässt und erst nachher über die Konsequenzen nachdenkt; den familiär verzweifelten Ben, der seine neue Stiefmutter einfach nur schlimm findet (zumindest lange Zeit); den verfressenen Charlie, der ein echter Opportunist und Pragmatiker ist und mehr als einmal über sich hinauswächst und der Welt zeigt, das viel mehr in ihm steckt, als sie ihm zutraut. Und dann sind da noch die vielen urigen Waliser, die Pearson so liebevoll überzeichnet, dass man sie ebenfalls gleich allesamt ins Herz schließt – bis auf den Bösewicht, der unweigerlich bald auf der Bildfläche auftaucht und den dreien in die Quere kommt: Er hat nämlich wertvolle Ringe gestohlen, und zwar vor laufenden Kameras einer Trödel-TV-Serie, über die Freddie und seine Freunde auf der Suche nach einem Nachtlager stolpern. Dass sie dabei versehentlich sein Boot anzünden (weil Charlie zwar mitdenkt, aber leider nur halb), ist der Beginn einer Verfolgungshetzjagd, die unser Trio von einem Regen in die nächste Traufe führt.

Dabei gelingt es ihnen stets, durch ein Wunder (oder halt einen glücklichen Zufall, wenn man so wie zunächst Freddie nicht an Wunder glaubt) nach dem anderen, nicht nur zu entkommen, sondern sogar ganz nebenbei ein bisschen Gutes zu bewirken. Und bei jeder Station ihrer Reise treffen sie auf Menschen und ereignen sich Dinge, die am Ende ein großes Ganzes bilden. Pearsons Romandebüt ist perfekt durchkomponiert, wobei auch kleine Leser manche Entwicklung schon vorausahnen können und dann umso begeisterter sind, wenn sich die Dinge dann auch wirklich entsprechend entwickeln. Vor allem, wenn es in Richtung aufregendes Finale geht und zwar schon klar wird, dass sich das alles am Ende irgendwie ausgehen dürfte, aber es dann eben doch immer wieder kritisch wird – um sich nachher in Wohlgefallen aufzulösen, bevor die drei kleinen Helden wieder eine auf den Deckel bekommen.

Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle, auf die Pearson ihre kleinen Leser mitnimmt. Und es ist eine große Erzählung über einen Roadtrip, der für jeden der Beteiligten letztlich eine Offenbarung bereithält. 280 Seiten sind jedenfalls nicht zu viel für diese ereignisreiche Reise, die nicht nur Freddie und seine Freunde auch zu sich selbst führt.