- © Hollitzer Verlag
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"Kilometer 101": Der Titel von Maxim Ossipows zweitem Prosaband auf Deutsch bezieht sich auf die Strecke, die den Wohnort des Autors, zugleich Zentrum seiner Erzählwelt, von der russischen Hauptstadt trennt. Nach Jahren in der Großstadt und im Ausland ist er hierhergezogen, und das ist für uns Leser ein Glück, denn so können wir dabei sein, wie es heutzutage in der russischen Provinz zugeht. Das Leben steht dort unter dem Motto: "Es könnte schlimmer sein ..."

In einer wendigen, witzigen und berührenden Prosa und in der gebotenen Detailtreue malt Ossipow die Misere aus, und interessanterweise führt das nicht stracks in die Depression, sondern in eine Art Glück, das sich in unerwarteten Momenten einstellt, weil man sich mit dem Erzähler über kleine Dinge freut: Wenn vielleicht ein alter Freund sich meldet, von dem man jahrelang nichts gehört hat, oder es gelingt, im Kampf gegen die Ämter und Behörden einen kleinen Sieg zu erringen.