Alle zwei Jahre wird Venedig zum Kunstmekka. Da nämlich öffnet die Biennale ihre Pforten, und die Pavillons der verschiedenen Länder ziehen Gäste aus aller Welt an. So auch den britischen Honorarkonsul Nathan Sutherland, den wir bereits aus Philip Gwynne Jones' Venedig-Erstling "Das venezianische Spiel" kennen. Und das neue Buch "Venezianische Vergeltung" wäre kein Krimi, würde Sutherland nicht in einen ungewöhnlichen Todesfall hineinstolpern. Er ist nämlich einer der Ersten am Ort des Geschehens, als ein britischer Kunstkritiker im britischen Pavillon beim Zusammenbruch einer Glaskonstruktion in den Tod stürzt und dabei von einer scharfen Glaskante regelrecht geköpft wird.

Jetzt ist natürlich die Frage: War es ein Unfall oder Mord? Nun, da unter dem Buchtitel auf dem Cover das Wort "Kriminalroman" steht, liegt die Antwort auf der Hand. Wer es war und warum, das werden wir mehr als 300 Seiten später erfahren. Bis dahin begleiten wir Nathan Sutherland bei seinen Nachforschungen - denn das er der Polizei alles überlässt, kommt natürlich nicht in Frage (gäbe es Donna Leons Commissario Guido Brunetti tatsächlich, wäre das vielleicht etwas anderes). Erstens ist er nur allzu neugierig und wissbegierig. Zweitens hat er als Honorarkonsul ohnehin die Aufgabe, beim Ableben eines britischen Staatsbürgers einzuschreiten und sich um diverse Formalitäten zu kümmern. Dabei unterläuft ihm ein schwerwiegender Fehler, weil er das Hilfsangebot eines Journalisten annimmt, der das Ganze dann für sich nutzt und ausschlachtet. Und drittens bekommt er selbst eine Drohbotschaft.

Der Autor Philip Gwynne Jones widmet sich in seinem neuen Krimi nicht nur der Rolle der Medien und ihrer Vertreter, sondern überhaupt der Kunstwelt, in der sich sein Protagonist erneut bewegt. Und die ist in Venedig noch einmal eine Nummer für sich. Dazu kommen wieder ausführliche Beschreibungen der Lagunenstadt und ihrer Bewohner. Und das recht komplexe Verhältnis zwischen Nathan und seiner Freundin Francesca, die ja auch im Kunstbereich tätig ist. Ja, natürlich eine Krimihandlung gibt es auch, aber die steht auch diesmal eigentlich nicht im Vordergrund. Den dominiert Venedig, wie es (in den Augen seines walisischen Betrachters) leibt und lebt.