Eine ehemalige Nanotechnologieforscherin, die zuletzt abgeschieden im Wald gewohnt und bei einem Autozubehörgeschäft gearbeitet hat, wird samt Familie massakriert, nur ihre Tochter könnte überlebt haben, ist aber verschwunden. Daher wird Philomena Schimmer hinzugezogen, denn die Polizistin ist nach einem psychiatrisch behandelten Trauma aus einem Einsatz nun in einer Abteilung tätig, die auf Vermisstenfälle spezialisiert ist. Was Philomena dabei bewusst ist: Sie trifft unter den Kriminalisten auf ihren Ex-Freund, der immer noch mit ihr ein Verhältnis neben seiner Ehe hat. Was ihr zunächst nicht bewusst ist: wie groß die alten Wunden sind, die dieser Fall bei ihr aufreißen wird. Denn ihre Vergangnenheit holt sie ein, in Form eines Mädchens, das sie seinerzeit nicht retten konnte.

Und so bekommt das Ganze eine psychische Komponente, die Autor Georg Haderer in seinem neuen Krimi "Seht ihr es nicht?" breit ausrollt. Dazu kommt noch der Mordfall selbst, denn bei der Suche nach dem Motiv stoßen Philomena und ihre Kollegen in einem Gespräch mit dem örtlichen Pfarrer auf den Begriff "Gray Goose" (Graugans), der sich bei näherer Betrachtung als "Gray Goo" (graue Schmiere) herausstellt - dabei handelt es sich um ein Szenario, in dem Nanobots außer Kontrolle geraten und sich selbst replizieren. Was der Menschheit dienen soll, könnte zu ihrem Schaden werden. Wurde die Ex-Forscherin also wegen ihrer früheren Arbeit ermordet? Gab es ein ein verunglücktes Experiment? 

Während Philomena sich also in diesen Fall hineintigert, der sie zugleich mental extrem fordert, um nicht zu sagen: belastet, geht es auch privat nicht ganz leicht zu. Und zwar nicht nur mit ihrem Gspusi, sondern auch mit ihren beiden Schwestern Thalia und Nemo (die in Wahrheit Mnemosyne heißt - Philomenas Vater hat eine Vorliebe für Altphilologie, die er auch an seinen Töchtern und dem Familienhund Kalliope ausgelassen hat), die ihr eine Stütze sind, sie aber auch gehörig nerven können. Und der eigentliche Fall gerät zwar nicht aus den Augen oder in Vergessenheit, er dominiert aber nicht unbedingt Haderers neuen Roman. Das tun eher die privaten Nebenstränge. Zwischen all dem schimmert die Sorge durch, dass an dem "Gray Goo"-Szenario womöglich tatsächlich etwas dran sein könnte. Und zwar nicht nur im fiktiven Buch, sondern auch in der realen Welt.