Die Romane von Daniela Krien glänzen mit psychologischer Einwandfreiheit und stilistischer Unauffälligkeit. Das gilt auch für ihren neuen Roman "Der Brand", es ist ihr dritter. Während sie in ihrem Bestseller "Die Liebe im Ernstfall" aus der Perspektive von fünf Frauen auf die Welt sah und aus unterschiedlichen Blickwinkeln versuchte, Leben und Liebe zu begreifen, konzentriert sie sich diesmal auf eine einzige Perspektive, jene von Rahel.

Glücklicherweise ist Rahel Psychotherapeutin und kann sich also nichts vormachen. Verheiratet ist sie mit Peter, einem Professor, der mit dem Lauf der Zeit aneinandergerät, weil er nicht Schritt halten möchte mit den neuen Sprachregelungen und Mentalitätsunterschieden zwischen den Generationen. Rahel und Peter sind in der DDR aufgewachsen und leben in Dresden. Sie nennen zwei Kinder und ein eingeschlafenes Liebesleben ihr Eigen. Sie würde schon wollen, er versinkt aber lieber in seinen Büchern.

Nachdem die Autorin ihren Roman etwas umständlich in Gang setzt, landen ihre Hauptfiguren in der Uckermark, wo sie Haus und Hof von Freunden hüten. Drei Wochen lang. So lange währt auch der kapitelweise mit dem jeweiligen Wochentag überschriebene Roman. Er erzählt, wie alle Romane von Daniela Krien, vom weiblichen Begehren, aber auch von elterlicher Fehlbarkeit und kindischen Reaktionen darauf.

- © Diogenes
© Diogenes

Rahel ist fast 50 Jahre alt und ahnt kommende seelische Wetterumstürze. Das Verhältnis zu ihren Kindern kommt ebenso auf den Prüfstand wie ihr eigenes vaterloses Aufwachsen. Muttergefühle, seien es wahre, nicht vorhandene oder gesellschaftlich erwartete, durchziehen die Geschichte.

Dass manche Menschen von Geburt an glücklicher sind als andere, ist nur eine der Weisheiten, mit denen der Roman prahlt. Die Tiere auf dem Hof, Pferd, Storch, Katze, bilden ein Paralleluniversum. Immer wieder werden tierische Verhaltensweisen menschlichen gegenübergestellt, wird Natur versus Zivilisation inszeniert. Klimawandel und Klimakterium widmet Krien den selben Grad der Aufregung. Auffällig ihre Schelte gegen Staat und Medien, die sie dem Paar als larmoyante Figurenrede in den Mund legt.

Der Roman spielt heutzutage, unter pandemischen Bedingungen also. Rahel und Peter haben beide das Vertrauen in die freie Presse verloren und erweisen sich auch sonst als geradezu stereotypisch ostdeutsch: rasch demokratiemüde geworden, allerorten diktatorische Tendenzen witternd. Davon abgesehen gelingen Daniela Krien gute Beobachtungen hinsichtlich dieser Langzeitehe, auch wenn sie dafür weder inhaltlich noch formal Neues auffährt. Für die Melancholie der mittleren Jahre hat sie jedoch ein feines Sensorium.

Das aber hilft nicht hinweg über Plattitüden, wie die von der grenzenlosen Freiheit oder den Gegensätzen, die Beziehungen und Salatsaucen angeblich schmackhaft machen. Alles in allem liest sich dieser Roman erstaunlich schnell und unkompliziert. Doch nachdem man ihn ausgelesen hat, zwickt die Frage: wozu?