"Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen!" Wer das sagt? Jesus im Lukas-Evangelium. Und: "Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen." Wer die Bibel, insbesondere das Neue Testament, Wort für Wort zum Thema Humor durchforstet, stellt fest: Da gibt es nichts zu lachen, da wird auch nicht gelacht. Jesus muss ein bierernster Geselle gewesen sein.

Aber kann das wirklich stimmen? Verträgt der Glaube - und zwar nicht nur der katholische, siehe Islamismus und "Charlie Hebdo" - keinen Humor. Darf man als Christ gar nicht lachen, sich gar über die Religion lustig machen? Womöglich Kirchenwitze erzählen? Diesen Fragen geht der kathoilische Theologe und Philosoph Andreas G. Weiß in seinem neuen Buch "Ausgelacht!?" auf den Grund. 

Und sein Befund über den Humor und den Glauben bringt so viel Doppelbödigkeit an den Tag, wie sie sich in seinem Buchtitel wiederfindet. Dabei geht er ganz weit zurück ins Alte Testament und zieht einen Bogen über die Antike bis in unsere Gegenwart (siehe "Charlie Hebdo") und stellt fest: Das Lachen kann ganz unterschiedliche Ausprägungen und Auswirkungen haben. Eltern sagen gerne zu ihren Kindern: "Ich lache nicht über dich, sondern mit dir", wenn etwas so komisch ist, dass sie einfach darüber lachen müssen. Lachen kann also in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich gemeint sein. Es kann genauso freundlich gemeint sein wie hämisch, es kann eine Situation auflockern oder verschärfen. Und es kann grundfalsch aufgefasst werden, insbesondere im Feld der Religion, wo schnell einmal jemand beleidigt ist.

Auf rund 250 Seiten versucht sich Andreas G. Weiß auf verschiedene Weise dem Thema anzunähern. Angefangen von Saras Lachen, als sie erfährt, dass sie einen Sohn zur Welt bringen wird - den sie dann Isaak ("Gott lacht") nennen wird, geht es weiter zum Propheten Jona. Dessen Geschichte trieft nur so vor Ironie: Ursprünglich sagt er zu Gott sinngemäß, er solle ihn im Kraut lassen, weil sich der Weg nach Ninive für ihn ja doch nicht lohne. Dann ist er nach seinem Wal-Abenteuer endlich dort - und stinkbeleidigt, als Gott die Stadt doch nicht zerstört, und meint zu seinem Herrn: "Na, was hab ich dir gesagt." Und Gott? Der beweist selbst Humor, indem er Jona mittels verdorrenden Ginsterbusch belehrt.

Andreas G. Weiß schaut aber auch ins antike Griechenland und beleuchtet das Verhältnis zwischen olympischen Göttern und Menschen in Bezug auf Humor, ehe er der Frage nachgeht, wie humorlos der altgriechische Philosoph und Staatsmann Platon wirklich war. Lachen rüttelt ja auch stets an Machtstrukturen (siehe das Kind in "Des Kaisers neue Klaider"). Und dann ist da natürlich Jesus, von dem tatsächlich in der Bibel kein einziges Mal steht, dass er gelacht hätte, im Gegenteil. Aber so, wie schon Adolf Holl ("Der lachende Christus") nicht so recht an einen dauergriesgrämig Messias glauben wollte, sucht auch er nach gegenteiligen Indizien. 

Und auch den Kirchenvätern, die den Gläubigen überhaupt jede Fröhlichkeit verbieten wollten, widmet er sich ausführlich und versucht sie auch ein Stück weit zu erklären. Das tut er anhand eines literarischen Beispiels, indem er Umberto Ecos Meisterwerk "Der Name der Rose" ausführlich zitiert, wo ja die beiden Gegenpole Jorge von Burgos und William von Baskerville aufeinanderprallen. Der Theologe fällt dabei kein Urteil, stellt sich auch nicht auf die eine oder die andere Seite, sondern erklärt, was den einen und den anderen umtreibt, warum er jeweils so denkt und handelt. Er ist Andreas G. Weiß insgesamt sichtlich um Neutralität bemüht.

Auch, wenn er ins 21. Jahrhundert springt - oder besser gesagt: ins Jahr 1999, also kurz davor: Damals ist der heftig umstrittene Film "Dogma" in die Kinos gekommen, der prototypisch zahlreiche Glaubensfragen aufs Korn nimmt. Jene, ob Gott nicht vielleicht doch auch eine Frau sein könnte, ist da noch eine der harmloseren. Der Theologe hat jedenfalls sichtlich Spaß daran, den Film und seine Motive aufzudröseln und auf sein Buchthema hin abzuklopfen. Wobei ja "Dogma" eben auch die ganz grundsätzliche Frage aufwirft, ob man über die Religion Witze machen darf.

Im aufgeklärten 21. Jahrhundert muss die Antwort darauf natürlich lauten: Ja, man darf. Zumindest grundsätzlich. Denn wenn der Glaube das nicht aushält, hat er ohnehin ein Problem. Es ist aber eben immer eine Frage der Art und Weise (siehe wiederum "Charlie Hebdo"). Ob man sich verletzend darüber lustig macht oder mit Humor zum Beispiel satirisch auf Missstände hinweisen will. Oder ob man einfach eine gewisse Fröhlichkeit an den Tag legt, die auch Gläubige haben sollten. Nicht umsonst heißt es schließlich "Die Frohe Botschaft". Und außerdem würden ja sonst all die Ordensleute und anderen Geistlichen, die immer wieder lustige Bücher herausbringen, Blasphemie begehen und quasi gegen ihren eigenen Arbeitsethos verstoßen. Im 10. Wiener Gemeindebezirk etwa gab es in der Pfarre St. Johann einen Pfarrer, der jahrzehntelang am Faschingsdienstag durch eine gereimte Predigt die Kirchenbesucher im Gottesdienst zum Lachen brachte. Und der rappende Franziskanerpater Sandesh Manuel stellt Woche für Woche Musikvideos online, in denen er sich zumindest zu Beginn öfter auch gerne einmal zum Affen machte. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass sie etwas falsch gemacht haben.