Einmal um die Welt - und zwar nicht in 80 Tagen, sondern in acht Jahren. Alma M. Karlin hat sich Zeit gelassen für ihre Weltreise. Und aus gutem Grund, denn nicht jeder oder in diesem Fall jede, verfügt über die finanziellen Mittel eines Jules-Verne-Charakters. Manch einer muss sich unterwegs etwas dazuverdienen.

So sind es auch nicht die Juwelen oder andere Kostbarkeiten, die Besuchern in der im Weltmuseum Wien gastierenden Ausstellung "Einsame Weltreise" ins Auge stechen, die der lange Zeit vergessenen slowenischen Schriftstellerin gewidmet ist. Es sind kleine Mitbringsel aus ihrer Reisezeit zwischen 1919 und 1927, die ins rechte Licht gerückt werden. Samen fremdländischer Pflanzen im Tabakdöschen, sorgfältig mit Nadeln präparierte Käfer und einfachste Kleidungsstücke, deren häufiger Gebrauch augenscheinlich ist. Die ursprünglich aus dem Regionalmuseum von Karlins Heimatstadt Celje stammenden Stücke wurden von den Kuratoren Barbara Trnovec und Reinhard Blumauer für die Ausstellung gewählt und von Architekt Gerhard Veigl aufbereitet. Trnovec hat zugleich auch die zugehörige Biografie "Die Endlose Reise der Alma M. Karlin. Leben, Werk, Nachlass" verfasst.

Ansicht der Ausstellung "Einsame Weltreise" im Weltmuseum Wien. - © NUK
Ansicht der Ausstellung "Einsame Weltreise" im Weltmuseum Wien. - © NUK

In zwei Räumen des Weltmuseums findet man das Leben einer der freisinnigsten Frauen des vergangenen Jahrhunderts aufs Wesentlichste kondensiert. Ein Raum befasst sich mit Karlins europäischen Wurzeln, ihrem eigenwilligen Wesen, ihren schwierigen Familienverhältnissen, aber auch ihrer zerrissenen Haltung ihrer Heimat und dem Zeitgeist der Dreißiger- und Vierzigerjahre gegenüber.

Und zentral positioniert ist ihre wichtigste Freundin: Erika. Jene Schreibmaschine, die ihre engste Vertraute auf ihren Reisen war, die ihr immer wieder ein Einkommen ermöglichte. Bedauerlicherweise ist die Erika im Weltmuseum aber eine Hochstaplerin. Karlins eigentliche Schreibmaschine wurde vor Jahren entwendet.

Alles in einem Reisekoffer

Doch so schmerzlich man als Museumsbesucher Karlins treue Weggefährtin auch vermisst, so bieten die Ausstellungsstücke aus der ganzen Welt im zweiten Bereich eine faszinierende Kollektion an Kuriositäten, die Ablenkung vom Verlust schafft. Kleine Figuren, Mineraliensammlungen, indische Schuhe. Sie alle passen in einen Reisekoffer. Und sie alle öffnen ein Fenster in die faszinierende Gedankenwelt, die Alma Karlin umgetrieben haben muss.

Sei es Li Tieguai, die geschnitzte Holzfigur einer taoistischen Gottheit. Die sie von einem peruanischen Schüler bekommen hatte und anfangs für einen Inkaschatz hielt. Oder das Yukata-Kleid, das sie während ihres Aufenthalts in ihrem "geliebten Japan" trug. Die Ausstellungsstücke lassen tief in die Abgründe der riskanten Expedition blicken. In die Mittellosigkeit, die Karlin zwischen ihren Arbeitsgelegenheiten als Journalistin, Sprachlehrerin und Übersetzerin immer wieder plagte. In Krankheiten, die ihr Leben gefährdeten. Und in die damals verbreitete geringschätzige Mentalität gegenüber anderen Ethnien, in deren Muster auch Karlin fiel.

So lädt die Ausstellung zur Reflexion ein. Über eigene und fremde Denkmuster und über den Mut, den es Karlin gekostet haben muss, trotz zierlicher Statur, Krankheit und begrenzter finanzieller Mittel und nicht zuletzt ihres Geschlechts, sich der Welt allein zu stellen und sich ihren Geschenken und Herausforderungen zu öffnen.