In seinem Erzählband "Ausrasten" führt Christopher Wurmdobler seine Leserinnen und Leser auf eine rasant-amüsante Reise. Als heimliche Protagonistin zeigt sich eine Stadt von ihrer schrägen Seite: nämlich Wien.

Und schon im Titel liegt ein Wortspiel: Bekanntlich verstehen Österreicher und Deutsche unter "ausrasten" etwas anderes. Dass es sich allerdings nur um einen scheinbaren Gegensatz zwischen "entspannen" (Ö) und "durchdrehen" (D) handelt, ist typisch für Wurmdoblers Wortwitz. Der gebürtige Deutsche und Wahlwiener jongliert äußerst gekonnt mit dem Wiener Schmäh: Da stimmt das Vermeintliche zuerst gar nicht - und dann womöglich doch wieder. Stereotype werden mehrmals umlackiert.

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Nach dem amüsanten Aussteigerroman "Reset" (2019) begegnet man auch in "Ausrasten" einer Reihe von skurrilen, witzigen, queeren oder nichtbinären Figuren. Wie sich bei fortlaufendem Lesen herausstellt, sind die meisten davon irgendwie miteinander verbandelt und lassen sich deshalb aus verschiedenen Perspektiven dabei zuschauen, wie sie ihre kleinen Pfründe verteidigen. Ob sie nun mit Glitzerhotpants in Müllcontainer tauchen oder mit Animal-Print-Hütchen ihr Umfeld terrorisieren, ob mit Nerzmantel oder mit von Mutti geschnittener Mireille-Mathieu-Frisur: Nichts schmeichelt der Eitelkeit so sehr, als wenn es einem gelingt, andere unterzubuttern.