Ganz selten kommt es vor, dass nicht Künstler, sondern Kulturmanager Operngeschichte schreiben. Klaus Bachler ist solch eine rare Gestalt - und sein Vorvorgänger als Intendant der Bayerischen Staatsoper München war es auch. Über ihn, den Engländer Sir Peter Jonas, hat Julia Glesner, Professorin für Kultur und Management an der Fachhochschule Potsdam, nun eine sonderbare Biografie verfasst.

Das größte Manko geht nicht auf das Konto der Autorin, sondern auf das des Verlags: Es fehlt ein Register. Ein 652-Seiten-Buch mit mehreren Namensnennungen pro Seite wird dadurch praktisch entwertet.

Durchaus auf das Konto der Autorin geht die völlige Distanzlosigkeit. Was Julia Glesner liefert, ist eine Heiligsprechung. Nun war Jonas zweifellos eine charismatische Gestalt, und sein jahrzehntelanger Kampf gegen den Krebs, den er 2020 im Alter von 73 Jahren verlor, war bemerkenswert: Die Krankheit konnte nicht verhindern, dass Jonas weiterhin Musiktheater-Weichen stellte. Doch im Fall von Konflikten die Schuld fast immer beim Anderen zu suchen, ist eine simple Vorgehensweise. Speziell die Anfänge von Jonas in München befremden: Dass Jonas sich als Axt im Wald gebärdete, wird kleingeredet, lieber zeichnet die Autorin seine Gegner als jämmerliche Figuren.

Keine Peter-Jonas-Biografie ist das, sondern ein veritables Evangelium, eine Frohbotschaft über den Heilsbringer des Musiktheaters. Welch merkwürdiger Fall.