Übertreibt Michaela Kastel? Es ist zu befürchten, dass das, was sie in "Mit mir die Nacht" beschreibt, der Realität näher kommt, als ihren Leserinnen und Lesern lieb ist: Frauen, die als Sexsklavinnen nicht nur eingesperrt und missbraucht, sondern auch gefoltert werden; Männer, die sich daran begeilen. Und – hier beginnt wohl erst die Fiktion – ein Opfer, das nicht nur fliehen kann, sondern Rache nehmen will.

Kastels Heldin Madonna kehrt in der Fortsetzung von "Ich bin der Sturm" an den Ort ihres Leidens zurück – freilich nicht auf geradem Weg, sondern auf einem, der nur so mit (halben) Leichen gepflastert ist. Begleitet wird sie von einem eiskalten Killer, der gegen seine Gefühle ankämpft und seinen ganz eigenen Rachefeldzug führt - der sich allerdings mit dem von Madonna überschneidet. Das ist brutal. Und trotzdem gut. Vermutlich, weil das Ganze von einer Frau geschrieben wurde, die sich nicht in seitenlangen, beinahe pornografischen Schilderungen des Leidens der Opfer ergeht, wie man es leider von so manchem Frauenentführungsthriller aus männlicher Hand kennt, sondern die viel stärker auf die emotionale Ebene geht - und dabei trotzdem viel Blut verspritzt.