Wenn Ursula Poznanski einen Jugendroman schreibt, dann nimmt sie in der Regel ein Thema aus dem Bereich Digitalisierung und eines aus dem Bereich Gesellschaft. So auch in ihrem neuen Buch "Shelter", in dem es um eine Verschwörungstheorie in den Sozialen Medien geht: Eine übermütige WG erfindet aus einer Partylaune heraus ihren eigenen Mythos - in dem Fall über Außerirdische, die Besitz von Erdbewohnern ergreifen - und setzt ein paar Postings ab. Einerseits sind Benny, Nando, Till, Darya und Liv einfach gespannt, wer auf den Schwachsinn reinfallen wird, bevor sie ihn auflösen; andererseits will Psychologiestudentin Liv das Ganze auch gleich für ihre Bacherlor-Arbeit nutzen. Die Gelegenheit ist auch zu günstig.

Aber schneller, als sie "Es ist alles nur ein Fake!" sagen können, verselbständigt sich die Sache und eskaliert. Denn nicht nur, dass ihr Verschwörungsmythos einschlägt wie eine Bombe, taucht auch sofort ein Trittbrettfahrer namens Octavio auf (natürlich kommen allerseits nur falsche Namen zum Einsatz), der das Ruder an sich reißt und ihnen gar keine Chance lässt, das Ganze aufzuklären, weil er nämlich einen Teil der WG erpresst. Der andere Teil verschwindet spurlos, sodass Benny, der bald im Zentrum der Ereignisse steht, weil er als Einziger in die Gegenoffensive geht, nicht weiß, ob sie einfach - warum auch immer - abgetaucht sind oder womöglich entführt wurden. Zumal es tatsächlich auch zu gewalttätigen Übergriffen kommt.

Unterdessen wächst in den Sozialen Netzwerken die Zahl der "Shelter" - also jener, die behaupten, nun einen Alien in ihrem Körper zu beherbergen -, und die Welle rollt und rollt, ohne dass diejenigen, die sie losgetreten haben, sie noch ernsthaft stoppen könnten. Bis es zum großen Showdown zwischen Benny und Octavio kommt, an dessen Ende eine überraschende Wende steht - die freilich gar nicht so überraschend kommt, wenn man etwa Poznanskis "Erebos 2" gelesen hat 

Die Wienerin erzählt jedenfalls nicht nur einmal mehr einen packenden Jugendroman, sondern sie exerziert eindrucksvoll vor, welche Mechanismen greifen, wenn Gerüchte in den digitalen Äther gestreut und dort weiterverbreitet und dabei verstärkt werden. Mit diesem Lehrstück beweist Poznanski einmal mehr, warum sie zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Jugendbuchautoren gehört.