Von 20. bis 24. Oktober soll Frankfurt wieder der Mittelpunkt der literarischen Welt werden. Allerdings wird die Buchmesse deutlich kleiner ausfallen als vor der Pandemie. Ehrengast Kanada will seinen 2020 um ein Jahr nach hinten geschobenen Gastland-Auftritt nachholen. Nachdem das Branchentreffen im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie komplett ins Internet verlegt werden musste, steht die Messe 2021 unter dem Motto "Re:connect - Welcome back to Frankfurt".

"Back to business", ist die Devise, "aber (noch) nicht back to normal". Die Messe wird demnach deutlich kleiner ausfallen als vor der Pandemie: 2.000 Aussteller aus mehr als 80 Ländern nehmen laut Buchmessen-Direktor Juergen Boos an der Messe teil - 2019, im letzten Jahr vor der Pandemie, waren es knapp 7.500 Aussteller gewesen. Die Zahl der Besucher ist in diesem Jahr auf 25.000 pro Tag begrenzt - 2019 waren insgesamt mehr als 300.000 Besucher nach Frankfurt gekommen.


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Mehr als 300 Autoren stellen ihre Bücher vor oder debattieren über Gesellschaftsfragen. Ein Themenschwerpunkt lautet "Wie wollen wir leben?" Viele Autoren nehmen freilich nur an den digitalen Formaten teil. Aus dem diesjährigen Gastland Kanada kommen nach derzeitigem Stand neun Künstler nach Frankfurt, der Rest wird virtuell dabei sein. Zutritt haben in diesem Jahr nur Besucher, die geimpft, genesen oder getestet sind (3G). Sechs Meter breite Gänge und größere Eingangsbereiche sollen helfen, Gedränge zu vermeiden.

Corona-Zeit ist gute Buch-Zeit

Dem Buch sei es in der Corona-Zeit ziemlich gut gegangen, sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos mit Blick auf gute Verkaufszahlen. Über alle Vertriebswege hinweg hat der Umsatz auf dem Buchmarkt laut den Angaben mit Ende der Kalenderwoche 40 das Vor-Corona-Niveau eingeholt und liegt 0,7 Prozent über dem Umsatz des Vergleichszeitraums 2019. In der Krise habe sich gezeigt, wie fest das Buch in der Gesellschaft verankert sei, sagte die Vorsteherin des deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs. "Social Distancing wurde nicht zur Distanz zum Buch."

Doch zu Hause sitzen und lesen, ist nicht alles. "Die Buchbranche braucht eben auch das körperliche Treffen, den Austausch, die Kommunikation", meinte dementsprechend Boos. Die Buchmesse ist solch ein unbedingt wichtiger Ort der Begegnung. Allerdings: Trotz des Mottos "Re:connect - Welcome back to Frankfurt" bedarf es der Einschränkung: "Das ist immer noch keine normale Messe. Das ist nicht 2019", sagte Boos.

Am Aufbau der Stände wird letzte Hand angelegt. 
- © APA / dpa / Sebastian Gollnow

Am Aufbau der Stände wird letzte Hand angelegt.

- © APA / dpa / Sebastian Gollnow

Nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises am Montag (18. Oktober) an Antje Rávik Strubel wird die Messe am Dienstagabend offiziell eröffnet. Auf der Pressekonferenz am Morgen wird unter anderem der russische Autor und Regierungskritiker Dmitry Glukhovsky sprechen. Ab Mittwoch ist die Messe für Fachbesucher geöffnet. Die Messe endet am Sonntag mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe.

Die Anti-Corona-Konzepte

"Wir erwarten, dass die Ticketkontingente am Messe-Wochenende ausgeschöpft sein werden", sagte Buchmessen-Sprecherin Kathrin Grün der Deutschen Presse-Agentur. "An den Fachbesuchertagen rechnen wir mit Fachbesuchern aus über 70 Ländern, überwiegend aus Europa."

Früher als sonst - ab Freitagnachmittag - dürfen auch die Leser aufs Gelände. Sie müssen geimpft, genesen oder getestet sein (3G). Tickets müssen online gebucht werden, sie werden personalisiert und nur für jeweils einen Tag vergeben. Es gilt Maskenpflicht, außer bei bestuhlten Veranstaltungen.

Zu dem mit Gesundheitsamt und Messe abgestimmten Hygienekonzept gehört auch "100 Prozent Frischluftzufuhr in den Innenräumen", wie die Messe ankündigt. Videoüberwachung und zusätzliche Ordnungskräfte sollen sicherstellen, dass es nirgends zu Gedränge kommt. "Sicherheit hat oberste Priorität", sagt Gabi Rauch-Kneer, die Geschäftsleiterin für das Messe-Management.

Die Events sind zurück

Obwohl weniger Autoren, weniger Aussteller und weniger Publikum als früher dabei sein werden, sind die begleitenden Events in der Stadt sind zurück: Allein unter der Dachmarke "Bookfest" gibt es 57 Termine an knapp 20 verschiedenen Orten. Wie auch die Aussteller sind die Autorinnen und Autoren weniger international, die meisten kommen aus Deutschland, einige aus dem europäischen Ausland. Viele internationale Verlage präsentieren sich an 40 Nationalständen.

Noch so klein - und schon ein Buch. Weniger Aussteller bedeutet nicht weniger Angebot für die Leser von morgen. 
- © APA / dpa / Sebastian Gollnow

Noch so klein - und schon ein Buch. Weniger Aussteller bedeutet nicht weniger Angebot für die Leser von morgen.

- © APA / dpa / Sebastian Gollnow

Die Veranstaltungen für Fachbesucher wurden auf die Woche vom 11. bis 15. Oktober vorgezogen und fanden in diversen digitalen Formaten statt - inklusive einem virtuellen Treffen an der Hotelbar.

Die Publikumsveranstaltungen werden gebündelt, die meisten finden auf einer Bühne in der Festhalle statt. 450 Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen live zusehen, es wird aber auch gestreamt. "Das Programm ist stark digital ausgerichtet", sagt Lars Birken-Bertsch, der die strategische Projektentwicklung leitet. "Das vergrößert die Reichweite." Zahlreiche Fernsehsender und Medienpartner kooperieren mit der Buchmesse, um das Messegeschehen "digital zu verlängern", wie Birken-Bertsch sagt.

Kanada live und virtuell

Ehrengast Kanada richtet wie gewohnt den Gastland-Pavillon ein, lädt Besucher aber parallel auch in eine virtuelle Version dieses Pavillons ein. Die Gestaltung werde optisch die Landschaften Kanadas aufnehmen, verrät Kreativdirektor Gonzalo Soldi: Wellen und Berge werden zu Screens, auf denen Schriftsteller virtuell zu erleben sind, die nicht physisch anwesend sein können. Von den 60 Autorinnen und Autoren, die das Land in Frankfurt vertreten, kommen nur 9 real auf die Messe. Auch die bekannteste Autorin des Landes, Margaret Atwood, wird zum Eröffnungsfestakt am 19. Oktober nur virtuell zugeschaltet.

Mehr als 300 Titel seien für den Gastlandauftritt neu ins Deutsche übersetzt worden, sagt Jennifer-Ann Weir, die für den Gastlandauftritt verantwortlich ist. Neu ist in diesem Jahr auch, dass das Publikum früher auf die Messe darf: nicht erst am Samstag, sondern schon ab Freitagnachmittag. Auch der Buchverkauf ist dann schon möglich. (Sandra Trauner / dpa / apa)