Unzählige Krimis für Kinder hat Thomas Brezina in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben, ins erwachsene Krimifach ist der 58-Jährige erst vor ein paar Jahren gewechselt, als seine Knickerbocker-Bande ein Comeback gefeiert hat. Und selbst diese Krimis waren zwar genauso düster wie schon die alten Bücher (was Lesern von einst erst im Rückblick beim Wiederlesen mit den eigenen Kindern so richtig auffällt), aber nicht allzu brutal. Das liegt ihm offenbar einfach nicht, dem Kultautor, der eine ganze Generation mitgeprägt hat.

Auch sein neuestes Buch, wieder ein Krimi, weist zwar eine echte Leiche auf (die Ermordeten in Brezinas gesamtem Œvre kann man an einer Hand abzählen) und hat alles, was ein Krimi braucht - es kommt aber doch irgendwie recht sanft daher. Was jedoch kein Makel ist, sondern für Authentizität sorgt. So wie sich Brezina selbst um Authentizität im Umgang mit seinen Figuren bemüht hat, zumindest mit zwei von ihnen.

- © Edition a
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Die eine ist Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837 bis 1898), genannt Sisi. Diese Schreibweise ist wichtig, um Verwechslungen mit Sissi vorzubeugen. Denn mit der Filmfigur aus Ernst Marischkas gleichnamiger Trilogie hat Brezinas Hauptfigur wenig bis nichts gemein, auch wenn sie in der Plakette auf dem Buchcover ("Krimijahre einer Kaiserin") aufs Korn nimmt. Dann schon eher mit "Elisabeth" aus Michael Kunzes und Sylvester Levays Musical, dessen bekanntestes Lied von ihrem Freiheitsdrang handelt.

Der steht auch im Zentrum dieses fiktiven Historienkrimis, den Brezina rund um die Kaiserin von Österreich gezimmert hat. Die wird nämlich von ihrer Hofdame Ida in eine Mordermittlung hineingezogen, nachdem der Vater eines Lehrers von Kronprinz Rudolf unter fragwürdigen Umständen mitten im Unterricht verstorben ist. Bald ist klar: Es war sicher nicht der Bienenstich, den der Amtsarzt als Todesursache bei dem Imker eingetragen hat.

Einblicke in die junge Ehe von Franzl und Sisi

In der Folge lässt Sisi dem von ihr eingesetzten Erzieher Oberst Josef Latour freie Hand, gemeinsam mit Ida Nachforschungen anzustellen, was den mutmaßlichen Mord betrifft. Und die beiden stoßen auf ein dunkles Geheimnis, das mit einem Fund in der kaiserlichen Hofbibliothek zu tun hat. Brezina konstruiert hier eine spannende Geschichte, die er schließlich so auflöst, dass er seine Leser erst auf eine falsche Fährte führt, um am Ende eine tragische Liebesgeschichte zu erzählen, die dann wieder anders ist als erwartet.

Auf dem Weg dorthin dient die Krimihandlung im Jahr 1866 als Rahmen für Einblicke in die junge Ehe von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth. Brezina, der seine Hausaufgaben gemacht und sich entsprechende Expertise zum Thema Sisi geholt hat, versucht, ein möglichst authentisches Bild davon zu zeichnen, wie die legendäre Kaiserin von Österreich gelebt, geliebt und auch gelitten hat in dem goldenen Käfig namens Schloss Schönbrunn.

Es geht auch um den damals siebenjährigen Kronprinzen Rudolf und seine Erziehung, den Streit zwischen Kaiser und Kaiserin über Oberst Latour und den vorherigen Erzieher Graf Leopold Gondrecourt, den er aufgrund von dessen umstrittenen Erziehungsmethoden ablöste. Brezina erzählt auch von Elisabeths Tagesroutinen, den verschiedenen Schönheitsritualen und beleuchtet überhaupt das Leben am Kaiserhof.

Wirklich viel Neues bietet er einschlägig Belesenen zwar nicht, aber es ist doch ein unterhaltsamer Einblick in die Welt der Habsburger. Und auch ein spannend geschriebener Krimi, der nebst diesem informativen Mehrwert auch unterhält. Brezina ist im Fach der historischen Krimis gut angekommen.