Kaiser Franz Joseph misstraute dem Telefon, verschmähte aber nicht alle technischen Neuerungen. Zum Beispiel hatte er einen elektrischen Zigarrenanzünder, den ihm der Zar geschenkt hatte.

Faszinierend mag man es finden, was Martyn Rady in seinem Buch "Die Habsburger - Aufstieg und Fall einer Weltmacht" zusammengetragen hat. Oder man hält es für Faktenhuberei, die ein spannendes Unternehmen überwuchert. Rady nämlich schreibt die Biografie einer ganzen Herrscherdynastie von ihren Anfängen bis zu ihrem Machtverlust. Das Buch endet 1918. Die weitere Geschichte der Familie Habsburg bis in die Gegenwart ist ausgeklammert.

Rady, 1955 geborener Engländer, ist emeritierter Professor für Mitteleuropäische Geschichte am University College London. Als typischer Geschichtsautor aus dem angloamerikanischen Raum scheut er weder Anekdotisches noch Marginales. So berichtet er vom flötespielenden Kaiser Leopold I. und vom sonst aufgeklärten, dabei unsagbar kleinkrämerischen Theaterzensur-Kaiser Joseph II., legt eine (kluge) Kurzanalyse der "Zauberflöten"-Musik ein und drückt sich weitestgehend um eine Bewertung von Ferdinand I.: War er nun der "Gütige" oder der "Fertige"? Dann schon lieber ganz auf Metternich blenden. Hauptteil ist natürlich Franz Joseph.

Aber ganz ehrlich: In welchem anderen Buch hat man je so viel über die größte Herrscherdynastie erfahren, die es in Europa jemals gegeben hat?