Ein Palast ein Griechenland: Diesen Wunsch konnte der Kaiser seiner Gattin nicht abschlagen. Als Kaiserin Elisabeth sich auf der Insel Korfu eine Art Retreat errichten lassen wollte, waren die Kosten für das "Achilleion" - nach heutigem Wert rund 40 Millionen Euro - kein Hindernis. Dabei hatte Franz Joseph seiner Frau bereits einen Landsitz geschenkt, die Villa Waldruh im Lainzer Tiergarten, doch behagte der Hausherrin das Ambiente nicht so recht; auch lag die Villa zu nahe bei Wien, nicht einmal am Meer und eben nicht in Griechenland.

Denn dorthin, die Umbenennung des Wienerwaldschlösschens in "Hermesvilla" wies deutlich in Richtung des Hellenentums, zog es die österreichische Kaiserin. Zwischen 1861 und 1896 reiste Elisabeth 15 Mal nach Griechenland, das zu dieser Zeit noch keineswegs eine Feriendestination war, vielmehr ein randständiges Königreich, in dessen Provinzen die moderne Zeit noch lange auf sich warten ließ. Aber es war vor allem das Land der klassischen Antike, der Heroen und Götter, in dem Echos aus alter Zeit über die Jahrhunderte nachhallten, und die Heimat eines Volkes, das erfolgreich die Herrschaft des Osmanen-
Imperiums abgeschüttelt hatte.

Kaiserin Elisabeth auf den Stufen des Achilleons: Gemälde von József Árpád Koppay. - © Public domain / via Wikimedia Commons / József Árpád Koppay
Kaiserin Elisabeth auf den Stufen des Achilleons: Gemälde von József Árpád Koppay. - © Public domain / via Wikimedia Commons / József Árpád Koppay

Das alles gefiel der Kaiserin sehr. Ihre jahrzehntelange Zuneigung zum realen wie zu einem imaginierten Griechenland zeichnet Stefan Haderer in seinem überaus lesenswerten Buch "Im Schatten Homers" nach, in dem die griechische Komponente in Elisabeths Biographie endlich zu ihrem Recht kommt; die war in einer derart umfassenden Darstellung, für die auch Quellen aus griechischen Archiven erschlossen wurden, bisher noch nirgends nachzulesen. So erfährt man neben den genauen Reiserouten auch Näheres über die Menschen, die die exzentrischen Unternehmungen der Monarchin erst möglich machten: ihren "Reisemarschall" Alexander von Warsberg etwa, der sich in Elisabeths Diensten gesundheitlich zugrunde richtete.

Oder über die zehn griechischen "Vorleser" Ihrer Majestät: meist junge, vielversprechende Intellektuelle, die der Kaiserin Literatur vorzutragen hatten, auch auf mehrstündigen Märschen über Berg und Tal, und sie im Neugriechischen unterrichteten (in der Volkssprache wohlgemerkt, nicht im gestelzten Katharevousa). Manche wurden ihre Vertrauten, fast alle waren der charismatischen Frau verfallen, und kaum einen behielt sie länger als ein Jahr.

Auch am Achilleion, ihrem weißen Palast am Meer, "märchenhaft, hochmütig, heilig", verlor die Kaiserin nach einigen Jahren das Interesse. Dabei hatte sie gewünscht, unweit davon am Meeresgrund begraben und von Delfinen gefressen zu werden; diesen Wunsch erfüllte ihr der Kaiser aber nicht.