Erich Glavitza, geboren 1942 in Kapfenberg, hat im zweiten Bildungsweg zum Doktor der Philosophie und Wissenschaftstheorie promoviert. Im ersten aber war er Rennfahrer und Stuntman für "James Bond"-Filme. Letzteres prägt nun seinen neuen Thriller "Blutorden". Der handelt von einem Attentat auf den US-Präsidenten während eines Staatsbesuchs in Wien, das der Wiener Kriminalist Stefan Korner gemeinsam mit einem Abgesandten des FBI aufklären soll. Doch so schnell kann Korner gar nicht ermitteln und einer Spur in Richtung Nordkorea folgen, gibt es genau dort den nächsten Anschlag auf den Diktator. War das Rache? Hängen die beiden Attentate zusammen? Was steckt dahinter? Wer hat ein Interesse daran, die beiden - naja, irgendwie doch verfeindeten - Staatenführer umzubringen? Und vor allem: Wer will Korner selbst ebenfalls beseitigen?

Denn er gerät auch selbst ins Schussfeld, und es folgt ein fast 500-seitiger Action-Thriller, in dem der Wiener Krimineser schon ein bisschen auf James Bonds Spuren wandelt, ein fragwürdiges Bond-Girl inklusive. Dazu geht es in neonazistische Abgründe, wird die große Geopolitik auf die österreichische Hauptstadt und ihre nähere Umgebung komprimiert - und das Buch atmet nicht nur den Stallgeruch der Agententhriller von Ian Fleming, sondern man merkt auch, dass es dem gebürtigen Kapfenberger Autor Glavitza die schöne Steiermark angetan hat. Korner fährt aber nicht nur dort schnell mal hin, sondern rast überhaupt quer durch Österreich, Bayern, Frankreich und die USA auf den Spuren des titelgebenden "Blutordens".

Wie das Ganze ausgeht und wer hinter den Attentaten steckt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es ist und bleibt lange Zeit sehr verworren, und der Plot macht es dem Leser nicht gerade leicht. Wer wen warum ermordet, ist oft unklar, zu viele verschiedene, undurchsichtige Interessen prallen hier aufeinander. Das hat zwar einerseits den Vorteil, dass man munter diversen Szenarien und Verschwörungstheorien folgen kann, bis sie widerlegt oder durch andere ersetzt werden; andererseits verliert man aber eben auch leicht den Überblick über die verschiedenen beteiligten Parteien, vor allem, wenn es um die Jagd nach dem seltenen Gewehr geht, mit dem der US-Präsident ermordet wurde. Nicht nur diesen Weg pflastern jedenfalls mehrere Leichen.

Nachdenken sollte man auch nicht zu sehr darüber, ob das Buch einen gewissen Anspruch auf eine authentische Beschreibung von Polizeiarbeit erhebt, insbesondere in Bezug auf "embedded journalism" - schließlich ermittelt Korner gemeinsam mit seiner Ex-Freundin Bella, die inzwischen für NTV tätig ist und mehr erfährt, als ein echter Ermittler wohl einer Privatperson verraten würde. Umgekehrt erweist sie sich aber auch als sehr hilfreich. Trotzdem ist es, was die Ermittlungsarbeit angeht, eher ein Machwerk aus der Schule des guten alten Polizeikrimis (wo keine Privatleute g'scheiter sind als die Bullen), eben erweitert um einen knallharten, aufregenden Agententhriller. Wer sich darauf einlässt und einfach mitreißen lässt, ohne allzu viel zu hinterfragen, hat seinen Lesespaß damit.