Hannelore Veit und Peter Fritz, beide als "On-Camera"-Journalisten des ORF bekannt, wollen mit ihrem Buch "Zeit des Zweifels" "ein paar Wegweiser in den politischen Irrgarten der Zukunft stellen". Sie beginnen mit dem terroristischen Angriff vom 11. September 2001 auf die Vereinigten Staaten. Die USA brachen nach dem Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon gleich zwei Kriege vom Zaun - beide unter dem Vorwand, den "Kampf gegen den Terror" zu Ende zu führen.

Das Buch, dessen Redaktionsschluss knapp vor dem desaströsen Abzug der Alliierten aus Afghanistan lag, führt uns durch die Sichtweisen der Amerikaner und der Europäer: Peter Fritz erzählt minutiös, wie die USA binnen weniger Tage ihren Feldzug gegen Osama bin Laden starteten. Viel emotionaler ist freilich seine Schilderung eines Terroranschlags 17 Jahre später, diesmal in der französischen EU-Stadt Straßburg. Fritz war in unmittelbarer Nähe, als ein Attentäter fünf Menschen erschoss. Einem thailändischen Touristen versucht der ORF-Journalist verzweifelt, das Leben zu retten.

Reporter als Teil der Story

Als Brüssel-Korrespondent ist er normalerweise mit den eher bürokratischen Komplexitäten der Europäischen Union befasst, "Reporter sind nicht sehr erpicht darauf, selbst Teil der Story zu werden, aber in diesem Fall geht es nicht anders." Und so erleben wir diesen schmerzhaften Tag (an dem wir EU-Abgeordnete - nur wenige Kilometer vom Schauplatz des Verbrechens entfernt - bis tief in die Nacht im Parlament verschanzt waren) hautnah wieder.

Hannelore Veit, bis Ende 2020 USA-Korrespondentin des ORF, widmet sich den beiden völlig gegensätzlichen US-Präsidenten Donald Trump und Joe Biden. Pech hat sie freilich, dass "die neue Berechenbarkeit der Amerikaner", die Biden zugeschrieben wird, gerade nach Redaktionsschluss des Buches auf eine schwere Probe gestellt wird. Selten zuvor hat ein amerikanischer Machthaber die Europäer so enttäuscht wie Biden mit dem U-Boot-Vertrag, den er hinter dem Rücken der Franzosen mit Australien geschlossen hatte, um Trumps Anti-China Tiraden auf militärisches Machtgehabe aufzublasen.

Apropos China. Die beiden Autoren schenken der neuen Weltmacht besondere Aufmerksamkeit. Fritz aus Brüsseler Perspektive: "Europa hat sich im Verhältnis mit China auf eine Linie begeben, die eigentlich keine ist." Mit dem "Win-win-Verhältnis", das die wirtschaftliche Annäherung zwischen Europa und China hervorbringen würde, hätten, schreibt Fritz, viele europäische Unternehmen gegenteilige Erfahrungen gemacht.

Veit analysiert, dass der harte China-Kurs in den USA unumstritten sei. Selbst einen heißen Krieg, ausgelöst durch einen chinesischen Angriff auf Taiwan, schließt die Asien-Kennerin nicht aus.

"Wegweiser in den politischen Irrgarten der Zukunft" finden sich wenige, doch warum die Gegenwart so turbulent ist, wie sie ist, lässt sich nach der Lektüre von "Zeit des Zweifels" ohne Zweifel besser verstehen.