Menschen brauchen Zugehörigkeit - die einen finden sie in der Sozialdemokratie, die anderen im Christentum. Beides muss sich jedoch nicht ausschließen, wie der ehemalige sozialdemokratische Kommunalpolitiker und Publizist Jürgen Bozsoki erzählte. Einst den Thesen von Karl Marx und dem Atheismus zugeneigt, "habe ich wieder zu Jesus gefunden und bin draufgekommen: Die sind ja eigentlich eh alle Sozis", so Bozsoki. Mit seinem neuen Buch "Camino-Welt" versucht er, die Brücke zwischen Christentum und Sozialdemokratie zu bauen.

Auf roten Sofas und zwischen roten Blumen diskutierten Mittwochabend unter der Leitung von Otto Neubauer (Akademie für Dialog und Evangelisation) Michael Ludwig, Toni Faber und Jürgen Bozsoki über ihre tiefrote Vergangenheit und das neue Buch des Letzteren. Bozsoki, eigentlich für das Verfassen von Sachbüchern bekannt, begab sich diesmal in die Belletristik. Er nimmt den Leser auf einen philosophisch-theologischen Jakobsweg mit. Für jeden sei etwas dabei, vom Atheisten bis zum Gläubigen.

Respekt und Dialog

Nicht nur die sozialdemokratische Gesinnung eint die drei Männer, sondern auch ihr Respekt gegenüber den Menschen. Gerade "Respekt ist ein Grundstein eines gemeinsamen Weges", so Ludwig, der seit 25 Jahren mit Jürgen Bozsoki befreundet ist. Menschen müsse man zunächst so annehmen, wie sie sind. Nicht weniger wichtig sei es, in Dialog zu bleiben. So ist Ludwig besonders stolz auf den Campus der Religionen in der Seestadt, wo in Zukunft acht Religionsgemeinschaften vertreten sein sollen. Auch der Blick auf das Individuum eint das freundschaftliche Trio. Der Wiener Bürgermeister sieht in jedem einzelnen Menschen ein hohes Maß an Eigenverantwortung: "Erkenne dich selbst, beherrsche dich selbst, veredle dich selbst", so Ludwig. Auch Toni Faber pflichtete bei, jeder sei dazu aufgerufen, etwas aus seinem Leben zu machen. Hat man sich selbst gefunden, gehe es dann um die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

Das Gespräch "Der Herrgott is a Weana" fand als Kooperation zwischen dem Rathaus, dem Buchautor Jürgen Bozsoki und der Akademie für Dialog und Evangelisation/Figlhaus Wien statt.