Niko hat es nicht leicht. Daheim nervt ihn die kleine Schwester, und in der Schule - noch viel schlimmer - wird er von Mitschülern gemobbt. Das geht soweit, dass deren Anführer Mario ihm seine Schlüssel wegnimmt und in einem alten, unheimlichen Haus versteckt. Das entpuppt sich als echtes Spukhaus, weil dort ein Geist sein Unwesen treibt. Wobei: Unwesen, naja. Theodor von Bertelsheim - kurz: Odo - ist nicht wirklich zum Fürchten. Und genau das ist sein Problem, denn ihm steht eine Prüfung vor der Spuk- und Gruselkommission bevor, bei der er durchzurasseln droht.

Aber zum Glück hat er jetzt Niko an seiner Seite, der ihm hilft - und umgekehrt erweist sich Odo als nützlich, als es darum geht, Mario und seine Gang mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Autorin Julia Wagner lässt in ihrem Buch "Mein Freund Odo" das Thema Mobbing so in die Geistergeschichte einfließen, dass es unaufdringlich daherkommt, aber sich doch Kinder, die im echten Leben ähnliche Sorgen haben, in Niko wiederfinden. Und die beiden Helden ihrer Geschichte - der lebende und der untote - sind beide nicht nur liebenswert, sondern auch unperfekt. Das macht die Geschichte authentisch - sofern man das von einer Geistergeschichte sagen kann. Wobei, wer weiß, vielleicht gibt es ja doch Geister. Bloß kriegen wir sie nicht mehr mit. Und sorgen mit unserer Ignoranz dafür, dass sie sich so wie Odo grämen, weil sich niemand mehr vor ihnen fürchtet.