Trayvon Martin, Sandra Bland, Eric Garner, Michael Brown, Breonna Taylor, George Floyd - diese vier Afroamerikaner haben eines gemeinsam: Sie werden von den beiden Schwestern Maika und Maritza Moulite in "One of the Good Ones" als Todesopfer von rassistischer Polizeigewalt in den vergangenen zehn Jahren genannt. Und in ihrem gemeinsamen Buch gibt es ein weiteres (fiktives) Opfer: Die schwarze Aktivistin Kezi geht an ihrem 18. Geburtstag - gegen den Willen der Eltern, die beide Pastoren sind - auf eine Demo, wird verhaftet und stirbt offenbar noch am selben Tag in Polizeigewahrsam.

Wie das vonstatten geht, erschließt sich dem Leser erst nach und nach, weil das Buch in mehreren zeitlichen und personalen Ebenen aufgebaut ist: Ihre jüngste Schwester erzählt aus der Perspektive mehrere Monate nach dem Vorfall, eine Zufallsbekanntschaft und auch Kezi selbst erzählen vom Tag der Demo. Dieses Stilmittel erweist sich als spannend ebenso wie als enervierend, weil man immer wieder den Faden verliert und zwar rasch wieder zu fassen bekommt, aber dadurch eben gefühlt wenig weitergeht, weil die Autorinnen mit Details sehr sparsam umgehen und die Geschichte sich erst nach und nach entwickeln lassen. Auch den Twist, dass das Ganze kurz nach der Hälfte plötzlich zum Thriller wird und alles ganz anders ist als gedacht, hätte es nicht unbedingt gebraucht. 

Denn die Stärken des Buches liegen weniger in den Erzählsträngen - in denen es neben der Trauer auch um das schwierige Verhältnis dreier Schwestern geht, von denen eine offen rebelliert, eine sich möglichst angepasst gibt und eine vor allem pubertär aufmüpfig ist, und die alle drei große Träume haben -, sondern von den Zwischentönen, in denen Maika und Maritza Moulite offen darlegen, was noch alles im Argen liegt für Afroamerikaner in den USA. Wobei die beiden Autorinnen, selbst Töchter haitianischer Einwanderer, aus eigener Erfahrung wissen, wie die US-Gesellschaft auch im Jahr 2021 noch mit Minderheiten (in einer Bevölkerungsbefragung bezeichneten sich zuletzt weniger als 15 Prozent der US-Bürger als schwarz) umgeht.

Es ist ein erschreckendes Bild, das die beiden hier zeichnen, wenn dann auf einem Roadtrip, das Kezis Schwestern im Gedenken an die Tote machen, die reale Lebenswelt in ihre fiktive Geschichte mit einfließt. Allerdings sollte sich der österreichische Leser, bevor er darob missbilligend den Kopf schüttelt, einmal überlegen, wie bei uns mit gewissen Minderheiten, aber vor allem mit sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen aus dem Ausland umgegangen wird. Gäbe es in der österreichischen Gesellschaft ein Äquivalent zur afroamerikanischen Bevölkerung in den USA - wer weiß, wie es dem bei uns erginge . . .