Die großen Themen der meisten Kriminalgeschichten sind wenig originell. Ein Mord, aus Eifersucht oder Gewinnsucht, undurchsichtige Charaktere, korrupte Obrigkeiten, und eine Hauptfigur, vielfach gebrochen, aber am Ende doch auf der richtigen Seite. Was in diesem Genre die Spreu vom Weizen trennt, sind Rahmen und Setting der Handlung.

JM Stim - hinter dem Pseudonym steckt der in den USA lebende österreichische Migrationsforscher und "Wiener Zeitung"-Autor Klaus Stimeder - hat für seinen Roman die kleine Mittelmeerinsel Malta als Ort gewählt, wo nicht wenige der gut vernetzten Profiteure sitzen, die vom Elend afrikanischer Migranten, die vor Hunger und Verfolgung fliehen, elendiglich reich werden.

Die Geschichte von "Malta Transfer" lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen, eine kompakte Erzählweise zählt zu Stimeders Stärken: Eine Ex-Journalistin, trinkfest und lesbisch, wird von einem undurchsichtigen Anwalt und Ex-Minister mit Recherchen zu einem Mord an einem gut situierten, aber drogensüchtigen Studenten beauftragt und stolpert dabei in ein Geflecht aus Ausbeutung, Menschenhandel und weiteren Morden.

Die idyllische Inselgruppe, wo jeder jeden kennt, bietet dafür die perfekte Kulisse. Mit etwas mehr als 500.000 Einwohnern zählt Malta zu den kleinsten EU-Staaten. Sticht man von Libyen aus in See, sind es nur 356 Kilometer, bis man EU-Boden erreicht. Der Sturz des Gaddafi-Regimes 2011 hat das Land an der Nordküste
Afrikas zum Hotspot illegaler Flüchtlingsrouten nach Europa gemacht. Und Malta selbst gilt längst nicht mehr nur als Heimat einer rätselhaften jungsteinzeitlichen Kultur und reicher Geschichte, sondern auch als Staat, dessen Politik und Wirtschaft von mafiösen Strukturen durchsetzt sind.

Es sind die Schilderungen dieser Milieus, auch in den Dialogen, in denen Stimeders Roman seine Anziehungskraft entfaltet. Die Heldin säuft Cisk, so heißt die populärste Biermarke Maltas, und Absinth, bewegt sich durch die unzähligen Bars in den diversen Stadtvierteln wie ein Fisch im Wasser. Und weil sie trotz oder gerade wegen ihres Lebensstils auch ein Bedürfnis nach Ruhe und Meditation verspürt, führt uns der Autor zu Schätzen wie Caravaggios "Die Enthauptung Johannes des Täufers" in der Konkathedrale St. John’s in Valletta.

Am Ende entpuppt sich die Mordserie als Racheakt an den Profiteuren einer persönlichen Leidensgeschichte. Deren Gewinne aus den Geschäften mit den Flüchtlingen sind da längst quer über Europa veranlagt. Wer dagegen nichts unternimmt, macht sich mitschuldig, nicht nur als kleiner Schlepper und Dealer oder Geldwäscher im Großmaßstab, sondern ganz generell, daran lässt der Autor keinen Zweifel. In seinen Augen sitzt die EU hier auf der Anklagebank.

Es ist das Glück eines stringenten, schnörkellosen Krimis, dass Lösungen für das Jahrhundertthema Migration nicht zu seinen Aufgaben zählen. Höchst lesenswert ist "Malta Transfer" dennoch.