Der österreichische Schriftsteller Oswald Wiener ist am  Donnerstag 86-jährig gestorben. Bekannt war Wiener durch sein wiederholt aufgelegtes Hauptwerk "die verbesserung von mitteleuropa, roman". Neben seiner Tätigkeit als Autor trat Wiener als professioneller Jazztrompeter auf. Er war auch als Gastronom tätig, seine Tochter ist die Starköchin und Politikerin Sarah Wiener. Von 1958 bis 1966 arbeitete er, zum Schluss in leitender Position, für die Firma Olivetti im Bereich Datenverarbeitung.

Wiener, am 5. Oktober 1935 in Wien geboren, studierte Rechtswissenschaft, Musikwissenschaft, afrikanische Sprachen und Mathematik. Er war Mitglied der Wiener Gruppe, in der sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg um die zentrale Gestalt H. C. Artmann Autoren wie Friedrich Achleitner, Konrad Bayer und Gerhard Rühm versammelten. Wiener galt als intellektueller Kompass der Gruppe, die darauf ausgerichtet war, unter dem Einfluss von Surrealismus und Dadaismus und Rückgriffen auf Modelle wie Barockliteratur, Comics sowie sogenannte Schundliteratur ein neues Verhältnis zur Sprache zu entwickeln.

Ästhetische Ansatzpunkte

Ein anderer ästhetischer Bezugspunkt Wieners war der Aktionismus. So war der Autor am 7. Juni 1968 zusammen mit Günter Brus, Otto Muehl und Peter Weibel einer der Teilnehmer an der Aktion "Kunst und Revolution" an der Wiener Universität, die als "Uni-Ferkelei" ein bis heute legendärer Kunstskandal war.

Wiener wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und es drohte ihm ein Verfahren wegen Gotteslästerung. Aus diesem Grund floh er aus Wien nach Berlin, wo er als Gastwirt lebte das "Exil" und das "Axbax" betrieb.

Bis 1986 blieb Wiener in Berlin. Dort studierte er Mathematik und Informatik an der TU. Seit dieser Zeit versuchte Wiener, eine Synthese zu schaffen aus Kognitionswissenschaften und künstlerisch-philosophischer Literatur. Prägend für ihn war dabei auch die Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins.

Das Jahr 1958 bedeutete für Wiener die künstlerische Zäsur: Er vernichtete sämtliche zuvor entstandenen literarischen Arbeiten, um neu anzusetzen. Dieser Neuansatz bestand im umfangreichen Prosatext "die verbesserung von mitteleuropa, roman", den Wiener ab Beginn der 1960er Jahre zu schreiben begann. Der Text erschien zunächst in Fortsetzungen in der Literaturzeitschrift "manuskripte", ehe er bei Rowohlt 1969 erschien und 1985 neu aufgelegt wurde.

"die verbesserung von mitteleuropa, roman" ist der Versuch eines Textes, der sich mit der Sprache selbst auseinandersetzt, wobei Wittgensteins Philosophie eine ebenso große Rolle spielt wie die Kybernetik. Wiener entwirft dabei das Konzept eines "Glücksanzugs", einer Maschine, die zusehends Körper und Geist des darin Eingeschlossenen übernimmt. Damit ist Wiener ein Pionier des "Cyberspace". Der Roman ist damit einerseits angewandte Sprachphilosophie, andererseits auch ein Entwurf einer Kybernetik: die denkende Maschine im Verhältnis zum Menschen.

Sowohl die sprachlichen Methoden Wieners als auch sein Denken waren für zahlreiche zeitgenössische Autoren von Bedeutung: So beriefen sich etwa Walter Grond, Peter Handke, Friederike Mayröcker, Werner Schwab, Franzobel, Marianne Fritz, Günter Brus, Werner Kofler und Thomas Raab wiederholt auf Oswald Wiener, und auch Lotte Ingrisch nützte Wieners Denkanstöße etwa für ihre "Zaubergroteske" "Kybernetische Hochzeit".

Oswald Wiener war der am wenigsten sprachspielerische, der strengste Autor der Wiener Gruppe, der sich am konsequentesten an wissenschaftlichen Erkenntnissen und philosophischen Entwürfen orientierte. Seine "die verbesserung von mitteleuropa, roman" ist, man darf es zugeben, schwer zu lesen. Doch war Wiener in der Strenge seines Denkens einer der wichtigsten Autoren, den die deutsche Sprache in der Zeit nach 1945 hervorgebracht hat. Als Mensch wird er fehlen. Als Autor wird er bleiben.