Der Salzburger Verlag Jung und Jung wird an den Schweizer Kampa-Verlag verkauft. Der Verleger Jochen Jung, der im nächsten Jahr 80 Jahre alt wird, erklärte in den "Salzburger Nachrichten" (Mittwochausgabe), dass in dieser Woche der Vertrag unterschrieben werden soll. Daniel Kampa wolle sein Einflussgebiet nach Österreich und Deutschland erweitern.

"Du kannst den Verlag auf Dauer nicht weiterführen, aber du musst ihn dahin bringen, dass er weiter existieren kann", sagte Jochen Jung, der auch Germanist und Schriftsteller ist, zu den "SN". Er habe einige Versuche unternommen, mit Vertretern großer Verlagshäuser ins Gespräch zu kommen, die sich aber alle zerschlagen hätten. Dann sei es rasch gegangen, als der Schweizer Verleger Interesse gezeigt habe.

Daniel Kampa habe in Österreich einen Verlag gesucht, dem er Entwicklungsfähigkeit zutraut, erklärte Jung. Der Schweizer Verleger wolle dem Salzburger Verlag seine Eigenart lassen. Der Standort Salzburg und seine Mitarbeiter sollen erhalten bleiben. Eine Einmischung ins Programm sei nicht vorgesehen. Kampa sei offen und interessiert an Literatur. Kampa betreut derzeit die Gesamtausgabe der Werke Georges Simenons und hat auch die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk im Programm.

Jung hat seinen Verlag im Jahr 2000 in Salzburg gegründet. Im Fokus steht die deutschsprachige Gegenwartsliteratur mit Schwerpunkt Österreich. Publiziert werden auch Übersetzungen aus anderen Sprachen. Zu den deutschsprachigen Autoren des Verlages zählen H. C. Artmann, Peter Handke, Robert Musil, Xaver Bayer (Österreichischer Buchpreis 2020 für "Geschichten mit Marianne") und Daniel Wisser (Österreichischer Buchpreis 2018 für "Königin der Berge"). Ein besonderes Augenmerk legt der Verlag auf Lyrik, sowohl zeitgenössische als auch auf Klassiker.